Janina Totzke – die Jüngste im WM-Team

Erst Australien, dann Galizien: Ein Abenteuer jagt das andere

Janina Totzke: Hallo, Australien! (Bild: sportfoto.tv, H. Bohlscheid)

Die Nominierung für die 10. Weltmeisterschaft der Damen in Perth schmeißt die Pläne von Janina Totzke über den Haufen. Zu dem Zeitpunkt, wenn sie nun als Jüngste im 18-köpfigen Kader von Bundestrainer Peter Lemmen im Süden Australiens gegen die Top-Teams der Welt antritt, wollte „Ninni“ – wie das blonde Hockey-Allroundtalent im Freundeskreis genannt wird – eigentlich schon in Spanien Hallenhockey spielen.

Bei der Juniorinnen-Europameisterschaft in Granada war die deutsche Nationalspielerin angesprochen worden, ob sie von November bis März den spanischen Traditionsclub Ourense HC unterstützen wolle. Nach Rücksprache mit der Familie und dem damaligen Juniorinnen-Bundestrainer Heino Knuf sagte Janina den Spanierinnen zu. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich eine Chance hätte, mit zur Damen-WM zu fahren, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt sie rückbetrachtend. Dann meldete sich plötzlich Peter Lemmen bei ihr, den ihr Auftritt beim Gewinn der Juniorinnen-EM-Bronzemedaille beeindruckt hatte. Sie erhielt nach guten Eindrücken auf Lehrgängen eine Einladung zur Südamerika-Reise.

„Auch da habe ich erst in den letzten Spielen realisiert, dass die Wahrscheinlichkeit, mit nach Perth zu fliegen, immer größer wird“, erzählt sie. „Da bekam ich plötzlich immer längere Einsatzzeiten. Das hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben.“ Am Ende der Reise wurde es Gewissheit: Die 19-Jährige erhielt das Ticket für Australien und musste ihren spanischen Gastgebern mitteilen, dass ihr Einsatz in der iberischen Hallenmeisterschaft frühestens zu den Playoffs Ende Dezember möglich sein wird.

In Spanien beginnt am 12. Januar dann die Feldsaison. Bis März kann Janina dann ihren Gastclub unterstützen, um sich danach um ihre berufliche Zukunft zu kümmern und wieder für den BHC in der neuen eingleisigen 1. Bundesliga einsatzberechtigt sein. Als Gegenleistung gibt es die Unterkunft und den Flug umsonst sowie ein wenig Taschengeld und einen Spanischkurs. Da die Berlinerin kein einziges Wort Spanisch spricht wird der Aufenthalt im Süden der spanischen Provinz Galizien zu Beginn ein kleines Abenteuer.

Das größere steht dem „Küken der Nationalmannschaft“ aber nun erst einmal in Perth bevor. Wenn Janina von den Superstars der internationalen Hockeyszene spricht, die ihr auf dem Platz demnächst gegenüberstehen werden, schwingt schon viel Ehrfurcht mit in der Stimme. Die Umstellung auf das Tempo und die Härte bei den Damen war enorm. Vor Jahresfrist spielte die Technikerin, die schon lange von Fachleuten zu den größten Talenten des deutschen Hockeys gezählt wird, immerhin noch mit der U18-Nationalmannschaft bei der European Youth Trophy in Hamburg.

„Das geht bei den Damen schon ganz anders ab“ sagt sie. Dennoch meint Janina Totzke selbstbewusst: „Ich traue es mir zu, schließlich konnte ich in Argentinien gut mithalten.“ Einen Fan wird sie in Perth mit Sicherheit haben. Ihr Onkel, der in Adelaide lebt, hat versprochen, bei der Weltmeisterschaft vorbeizuschauen. „Bisher hat er uns immer in Deutschland besucht. Wir waren leider noch nie bei ihm.“

Doch auch zu Hause werden kräftig die Daumen gedrückt: „Es ist schon toll, wie viele mir per E-Mail oder anders Glück wünschen. Zum Teil habe ich mit denen in der U16-Nationalmannschaft mal zusammengespielt, aber seit Jahren nicht gesehen.“ Doch neben den Eltern Hans-Jörg und Christa sowie Bruder Nikolai, 22, wird vor allem wohl ihr Freund Kai Dechsling, Spieler bei den Herren des BHC, mitfiebern. „Er hat sich wahnsinnig für mich gefreut, als ich nominiert wurde. Allerdings war er es auch, der von Anfang an überzeugt war, dass ich es schaffe, mich noch zu qualifizieren.“

Da Janina als letzte auf den WM-Zug aufgesprungen ist, hatte sie natürlich auch am meisten aufzuholen. Immerhin begann die athletische Ausbildung für dieses Turnier-Highlight bei vielen Spielerinnen schon vor eineinhalb Jahren. „Ich habe versucht, das aufzuholen, indem ich viele Extraschichten eingelegt habe. Das ist mir am Anfang zwar schwer gefallen, doch ich glaube, ich habe gut aufgeholt.“

Das „Nesthäkchen“-Image stört die Jung-Nationalspielerin, die erst vor knapp acht Wochen ihr erstes A-Länderspiel absolvierte, übrigens längst nicht mehr. Das hatte sie auch in ihrem Verein lange inne. Froh war sie allerdings über die kleine Gruppe von Berliner Mannschaftskameradinnen im Nationalteam, die den Start im Team einfacher machten. „Inzwischen fühle ich mich in der Mannschaft total wohl und gut aufgenommen. Durch die lange Südamerikareise habe ich alle gut kennen gelernt.“

Als Sahnebonbon bezeichnet sie die Chance, auf einem solchen Weltturnier schon jetzt Erfahrungen sammeln zu können. Immerhin hatte sie sich noch nicht einmal für Olympia 2004 gute Chancen ausgerechnet, dann schon einen Stammplatz im A-Kader zu haben. Theoretisch könnte sie dann noch locker im U21-Team spielen. „Ich habe nie erwartet, dass es mich jetzt schon trifft. Aber nun will ich die Chance auch beim Schopfe packen.“

Janina, die schon im Alter von vier Jahren beim Berliner SV ihre Hockeykarriere startete und vor fünf Jahren dann zum BHC wechselte, hat klare Vorstellungen über ihre Zukunft. Im Sommer machte sie ihr Abitur am Marie-Curie-Gymnasium in Wilmersdorf – Leistungskurse: Biologie und Sport. Mit der Wahl dieser Fächer hat sie auch schon früh die Weichen für ihren Studienwunsch gestellt. Sie möchte ab dem Winter 2003 an der Humboldt-Universität Sportwissenschaften studieren. Der Eignungstest dafür ist im März, wenn sie aus dem warmen Spanien ins kalte Deutschland zurückgekehrt ist.

Sicher ist sie sich lediglich über die spätere Fachrichtung. Sowohl die Sport-Rehabilitation als auch Sportmarketing interessieren sie. „Da wird das Studium schon Erleuchtung bringen“, ist die 19-Jährige überzeugt. Als Studentin, so hofft sie, klappt es dann irgendwann auch mal wieder mit dem Skilaufen. Zu dieser beliebten Freizeitbeschäftigung ist das Sporttalent, das früher auch Tennis gespielt hat, geschwommen und geritten ist, durch die vielen Hockeyeinsätze nämlich schon seit sechs Jahren nicht mehr gekommen.

 

« AKTUELLES


Abschied vom Alltag

Heike Lätzsch

Tina Bachmann

Franziska Gude

Denise Klecker

Marion Rodewald

Silke Müller


Hallo Australien

Birgit Beyer

Anneke Böhmert

Julia Boie

Melanie Cremer

Natascha Keller

Nina Kramer

Badri Latif

Britta von Livonius

Nadine Ernsting-Krienke

Fanny Rinne

Janina Totzke

Louisa Walter


Peter Lemmen



zur offiziellen Homepage




2024 © VVIwww.HockeyPlatz.de