Anneke Böhmert – Deutschlands Hockeyspielerin des Jahres

Von typischen Mathematikern, chilenischen Putzfrauen und String-Quartetten

Anneke Böhmert: Hallo Australien (Bild: sportfoto.tv, Bohlscheid)Der typische Mathematiker ist daran schuld, dass aus Anneke Böhmert keine Mathematik-Lehrerin wird. Die Pädagogikstudentin auf Oberstufen-Lehramt hatte festgestellt, dass die angehenden Lehrer im Fachstudium mit den Diplom-Mathematikstudenten zusammen Vorlesung hatten. „Da hat sich bei Studenten und Dozenten wirklich jedes Klischee bestätigt und ich musste als annähernd einziges weibliches Wesen feststellen, dass das wohl nicht meine Welt ist.“

Die Gene können es nicht sein, denn sowohl Mutter Birgit als auch Vater Heinz-Günter sind Mathematik- und Physiklehrer. Dennoch heißen die Hauptfächer jetzt Englisch und Spanisch. Während sie in Englisch bereits mit dem Grundstudium fertig ist, steht Spanisch erst seit einem Semester auf dem Studienplan. Gänzlich ohne sprachliche Vorkenntnisse hatte sie angefangen. Da war die Südamerikareise mit der Nationalmannschaft natürlich Gold wert. „Ich habe mich von der Putzfrau bis zur Verkäuferin im Supermarkt ausführlich unterhalten“, erzählt Anneke und lacht.

Nach der Weltmeisterschaft möchte sie ihre Sprachkenntnisse intensivieren. Je nachdem, ob Bundestrainer Peter Lemmen sie Anfang Februar auch zur Hallen-WM nach Leipzig mitnimmt, soll der Sprachkurs in Spanien drei Monate oder sechs Wochen ausfallen. Fit genug fühlt sich Anneke für beide Events. „Ich war nie so eine Konditions-Bombe, aber in diesem Jahr habe ich durch das viele Training sicher athletisch einen gehörigen Schritt machen können.“

Auf die WM freut sich die mit 21 Jahren Zweitjüngste im Team sehr. Der Druck der Nominierung sei vorbei, sie könne absolut befreit aufspielen. Im Sturmblock sei extrem gute Stimmung. Dass Freundin Julia Boie und sie hinter den Routiniers Keller, Lätzsch und Ernsting-Krienke erst in zweiter Reihe aufs Feld kommen, sei überhaupt kein Problem. Ihre Wahl zur Hockeyspielerin des Jahres 2001 durch die Fans sehe sie eher auf ihre Hallen-Fähigkeiten bezogen.

„Ich bin eigentlich eine bessere Hallen- als Feldspielerin. Auf dem Feld ertappe ich mich häufig dabei, dass ich die Gegenspielerin wie in der Halle flach auf dem Boden ausspielen will, statt mal zu lupfen oder einen großen Bogen zu laufen.“ Daran hat sie gearbeitet und will nun in Perth ihr bestes Hockey zeigen. Den Schläger trägt die im schleswig-holsteinischen Stapelfeld geborene und aufgewachsene Nationalspielerin schon seit ihrem vierten Lebensjahr mit sich herum.

Damals begleitete sie als Maskottchen ihre sieben Jahre ältere Schwester Amina zu den Jugend-Spielen des Rahlstedter THC. Die heute in den USA lebende ehemalige Bundesligaspielerin des Hanauer THC wurde immerhin acht Mal Hamburger Meisterin. Da konnten weder Anneke noch der heute 20-jährige Bruder Joost später mithalten. Doch sie wurde dafür nun schon drei Mal deutsche Meisterin, Joost, der jetzt aus Studiengründen von der Elbe zu Rot-Weiß München wechselt, immerhin zu Beginn des Jahres mit dem UHC in der Halle auch schon einmal.

Neben Sport spielte die Musik in Familie Böhmert immer schon eine große Rolle. „Zwei Instrumente waren für uns Pflicht. So habe ich ab dem Alter von fünf Jahren Klavier und ab sieben Jahre Geige gelernt.“ Bis zum Abitur spielte sie im Orchester und es gibt sogar eine CD-Aufnahme von Anneke mit einem String-Quartett. Heute wird nur noch für Familienkonzerte gespielt. Zur Hochzeit der älteren Schwester spielten die jüngeren Geschwister zum Beispiel vierhändig zum Hochzeitswalzer auf.

Während Vater Günther früher Fußball und Rudern praktiziert hat, hat sich Mutter Birgit übers Elternhockey für den Sport der Kinder begeistern lassen. Annekes Freund Clas Beese, mit dem die Wahl-Hamburgerin seit dreieinhalb Jahren ein Paar bildet, hat hingegen nichts mit Sport zu tun. Dafür engagiert er sich ehrenamtlich für den ASB, fuhr schon Hilfstransporte in den Kosovo. „Immerhin läuft er mit mir gemeinsam. Seine Oberarme haben vom vielen Kistenpacken außerdem locker Sportlerformat.“

Derzeit ist der 22-Jährige BWL-Student allerdings für zwei Auslandssemester in Belgien. Deswegen hat sie die gemeinsame Wohnung in Hamburgs City bis Mai 2003 untervermietet und lebt bis zu seiner Rückkehr bei den Eltern. Einen Auslandsaufenthalt hat die Nationalspielerin auch schon aufzuweisen. Während der Schulzeit lebte sie ein Jahr in den USA. Dort spielte sie nicht nur intensiv Hockey und Eishockey, sondern ruderte auch leistungsmäßig im Achter für ihr College - „das Anstrengendste, was ich je gemacht habe.“ Angebote für ein Hockey-Stipendium schlug sie nach kurzem Nachdenken aus, denn dafür hätte sie gleich für fünf Jahre in den USA bleiben müssen.

 

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