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U21-Europameisterschaft 2026 in Valencia

wU21-Trainer Jordan: "Wichtig ist, dass unsere Ziele ambitioniert, selbstbewusst und gleichzeitig realistisch sind."

22. July 2026

Tobias Jordan ist seit diesem Jahr neuer Cheftrainer der weiblichen U21-Nationalmannschaft und bereitet sich momentan mit seiner Mannschaft auf die EM in Valencia vor. Im Interview spricht er über seine Arbeit im Damen-Bereich, den Altersmix in der Mannschaft und die Ziele bei der EM.

Wie viel Spaß hat dir die Arbeit mit der wU21 schon gemacht? 
Sehr viel Spaß. Viele Spielerinnen kannte ich schon und ein paar neue Gesichter habe ich kennenlernen dürfen.  Insgesamt sind die Mädels sehr offen, wissbegierig und wollen gerne mitreden. So ergibt sich ein sehr guter Austausch zwischen Trainerteam und Spielerinnen. Die Lehrgänge waren alle von Spaß und gleichzeitig von harter Arbeit geprägt. In meinen Augen ist es immer wichtig diesen Mix zu haben, weil eine gute Stimmung automatisch für ein besseres Durchhaltevermögen sorgt, wenn es mal nicht so rund läuft.   
Mit meinem Staff komme ich auch immer wieder gerne zusammen und wir ergänzen uns gut. Vor allem die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Tobias Bergmann, den ich schon seit Jahren aus der Vereinsarbeit (Anm. d. Red.: beide haben zusammen das Herrenteam des DSD in Düsseldorf betreut) und durch unser letztes Jahr bei der männlichen U16-Nationalmannschaft sehr gut kenne, ist unheimlich gewinnbringend. Auch Sabine (Anm. d. Red.: Co-Trainerin Sabine Markert) bringt einen guten Input rein sowie eine gewisse Lockerheit rein. Dementsprechend kann ich sagen, dass das bisher sehr viel Spaß gemacht hat, auch wenn es die eine oder andere Baustelle auf dem Hockeyplatz gibt. 

Du arbeitest schon eine ganze Weile jetzt im Damen- bzw. Mädchenbereich. Was macht die Arbeit in dem Bereich so besonders für dich? 
Das ist tatsächlich etwas unvorhergesehen entstanden, dass ich so lange jetzt schon in dem Bereich arbeite. Eigentlich war ich lange im männlichen Leistungsbereich tätig und bin in den weiblichen Bereich etwas reingestolpert. Angekommen bin ich dann endgültig, als ich beim HTHC angefangen habe. 
Ich glaube, man kriegt ein bisschen mehr zurück als bei den Jungs. Die Mädels versuchen immer Dinge umzusetzen, wollen dafür aber auch manchmal mehr Unterstützung haben. Ein Unterschied zum Jungs-Hockey ist vielleicht, dass man das eine oder andere Gespräch mehr führt. Ich merke auch, dass meine Aufgabe ist den Mädels ein bisschen mehr Selbstbewusstsein zu geben. Es gibt häufiger Nachfragen zum Vorgehen.  

Du hast eben schon deine Co-Trainer erwähnt. Wie wichtig war dir die Zusammenstellung des Staffs nach deinen Vorstellungen für die Entscheidung die wU21 zu übernehmen?  
Mit Tobi wollte ich unbedingt zusammenarbeiten, weil es bei der mU16 und in Düsseldorf sehr vertraut war. Beim DSD war ich sein Co-Trainer und wir haben uns gut ergänzt. Wir ticken menschlich sehr ähnlich, können offen miteinander sprechen und über Hockey diskutieren. Dazu gehört Vertrauen. Außerdem bringt Tobi eine Sache mit, die sehr, sehr hilfreich für mich und für uns ist. Nebenberuflich schult er Mobbing-Prävention in Schulen und hat dadurch ein sehr gutes Gespür, wenn sich jemand innerhalb des Teams nicht so wohlfühlt oder wenn es jemandem aus privaten Gründen nicht so gut geht. 
Das war mir bei der mU16 schon wichtig, weil neue Jungs in die Nationalmannschaft kommen und ganz viel Neuland für sie dabei ist.   
Bei der wU21 war es mir wichtig schnell ein sehr gutes Vertrauensverhältnis unter den Spielerinnen und uns als Trainerteam aufzubauen und offen miteinander sprechen zu können. Das haben wir jetzt ein halbes Jahr entwickelt und da spielt er eine große Rolle.    
Bei dem restlichen Staff wollten wir auch nicht alles verändern. Mir war wichtig, dass ich alle kennenlerne und ihnen eine Chance gebe. Alle haben sich ihre Positionen erarbeitet und über mehrere Jahre im DHB verdient.  
Dabei ist es mir wichtig, dass es keine verkrustete Hierarchie gibt, sondern ein gutes Miteinander. Das bekommen wir gerade gut hin. 

Du hast schon Teams in vielen verschiedenen Vereinen in den unterschiedlichsten Regionen gecoacht. Wie sehr helfen dir diese Einblicke als Bundestrainer der wU21?
Ich bin vielleicht etwas zu schnell rumgekommen in den wenigen Jahren, habe aber viel unterschiedliche Arbeit kennengelernt, ob es Vereins- oder Verbandsarbeit war. Die Tätigkeit beim Westdeutschen Hockey-Verband (kurz: WHV) hilft mir bei der DHB-Tätigkeit, weil innerhalb eines Verbandes anders gearbeitet wird als im Alltagsgeschäft im Verein. 
Für die Tätigkeit bei der weiblichen U21-Nationalmannschaft hilft mir natürlich meine aktuelle Tätigkeit als 1. Damen-Trainer beim HTHC, weil ich davor wenig Erfahrung im weiblichen Leistungsbereich hatte, abgesehen von den zwei Jahren als Co-Trainer der weiblichen U18 Nationalmannschaft. 
Ich fühle mich in Hamburg und im DHB wohl, sonst würde ich nicht seit knapp sieben Jahren in den unterschiedlichsten DHB-Rollen arbeiten. 
Dabei durfte ich auch vielen verschiedenen Trainern über die Schultern gucken und von allen etwas mitnehmen. 

Der Kader für die EM hat eine sehr diverse und interessante Altersmischung. Warum hast du dich für diesen Mix entschieden?
Weil unserer Meinung nach das aktuell die besten 18 Spielerinnen sind, die uns zur Verfügung stehen. Wir haben uns auch die Frage gestellt, was unser Auftrag ist und natürlich wollen wir in der U21 so erfolgreich sein wie möglich. 
Der große Auftrag ist aber, dass die DANAS erfolgreich sind, dass wir unterstützen und für sie gut ausbilden. Die DANAS haben jetzt vier Spielerinnen, die noch die U21-EM spielen könnten für die Weltmeisterschaft nominiert. Wir sind stolz, dass diese Spielerinnen bei der WM dabei sind und das Team von Janneke verstärken. Wir haben in Valencia dafür fünf U18 Spielerinnen dabei, die letzte Woche noch das Sommerturnier hätten spielen können. 
Dementsprechend ist in unserer Mannschaft ein sehr guter Mix aus Erfahrung und einigen jungen Talenten. 

Wie hilfst du diesen teilweise sehr jungen Spielerinnen sich auch persönlich zu entfalten bei der wU21 und die anfängliche Schüchternheit abzulegen?
Uns ist es wichtig, unseren Spielerinnen immer wieder zu vermitteln, dass Mut ein entscheidender Bestandteil ihrer Entwicklung ist. Wir möchten, dass sie sich etwas zutrauen – auch wenn das bedeutet, Fehler zu machen. Fehler gehören zum Hockey dazu. Entscheidend ist nicht, sie um jeden Preis zu vermeiden, sondern aus ihnen zu lernen und es in der nächsten Situation besser zu machen. 

Wie weit siehst du die Mannschaft? Was sind eure Ambitionen für die EM? Gibt es Dinge außerhalb der Platzierung, an die du denkst, die dich nach der EM denken lassen würden, dass das eine erfolgreiche EM war?  
Vor der Europameisterschaft haben wir der Mannschaft mit auf den Weg gegeben, dass wir nach Valencia fahren, um gemeinsam unvergessliche Erinnerungen zu schaffen. Denn genau darum geht es im Sport – und auch im Leben. Die schönsten Geschichten entstehen durch gemeinsame Erlebnisse, an die man sich noch Jahre später gerne erinnert. 
Welche sportlichen Ziele wir uns für das Turnier setzen, wird die Mannschaft gemeinsam festlegen. Wichtig ist, dass diese ambitioniert, selbstbewusst und gleichzeitig realistisch sind. Eines steht jedoch fest: Wir werden uns in Valencia nicht verstecken. Auch wenn wir nicht als Favoritinnen anreisen, sehen wir das als Chance. Gerade in dieser Rolle können wir mutig auftreten, andere Teams herausfordern und zeigen, was in uns steckt. 

Ist es wichtig sich als Trainer bei solch einem Umbruch auf ein, zwei Führungsspielerinnen verlassen zu können?  
Verantwortung ist für uns eine Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb verteilen wir sie bewusst auf mehrere Schultern – auch auf unsere als Trainerteam. Uns ist wichtig, dass unsere Mädels wissen, dass sie sich jederzeit auf uns verlassen können. 
Gleichzeitig braucht jede Mannschaft Führungsspielerinnen, die auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Gerade während eines Spiels gibt es Phasen, in denen die Spielerinnen eigenständig Lösungen finden müssen. Bis wir als Trainerteam eingreifen oder Impulse geben können, können 15 Minuten sehr lang sein. Umso wichtiger ist es, dass es auf dem Feld Persönlichkeiten gibt, die Orientierung geben und Verantwortung übernehmen. 
Mit Taja Gans als Kapitänin haben wir uns bewusst für eine erfahrene Spielerin entschieden, die unsere Werte verkörpert und bereits auf höchstem Niveau Verantwortung übernommen hat. Sie bringt die Erfahrung u.a. aus zwei Weltmeisterschaften und einem Europameistertitel mit. Unterstützt wird sie von Johanna Franz als Co-Kapitänin. Die Entscheidung für eine Spielerin aus dem jüngeren Jahrgang war bewusst getroffen, damit sie bereits jetzt in die Führungsrolle hineinwachsen kann. Darüber hinaus verfügt unser Team über viele weitere Spielerinnen, die Verantwortung übernehmen – unabhängig davon, ob sie ein Kapitänsamt tragen oder nicht. 
Grundsätzlich wissen alle Spielerinnen, welche Erwartungen wir an sie haben. Als Trainerteam können wir den Rahmen schaffen, eine klare Spielidee vermitteln und die Mannschaft bestmöglich begleiten. Entscheidend ist jedoch, was auf dem Platz passiert. Dort treffen die Spielerinnen die Entscheidungen – und genau das ist auch unser Anspruch.

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