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WM 2026 in Belgien und den Niederlanden

Porträt Justus Warweg: Zweimal Weltmeister in 264 Tagen

03. September 2026

Justus Warweg wurde am Sonntagabend im belgischen Wavre nicht nur zum Weltmeister gekürt, sondern auch als "Rising Star" des Turniers ausgezeichnet. Ein Blick zurück auf die vergangenen Monate im Leben des 19-jährigen lohnt sich.

Am 10. Dezember 2025 wurde Justus Warweg U21-Weltmeister. Am 11. Februar 2026 gab Warweg sein Debüt für die A-Nationalmannschaft. Am 14. Februar 2026 erzielte er in seinem zweiten Länderspiel sein erstes Tor für die A-Nationalmannschaft, doch nicht nur das: Er legte im FIH Pro League-Spiel gegen Pakistan noch ein zweites Tor nach und wurde dadurch vom Weltverband zum Spieler des Spiels gekürt. Am 20. Juli 2026 wurde der gebürtige Kölner von Bundestrainer André Henning in den WM-Kader berufen und am 30. August Weltmeister mit diesem. Das vergangene Dreivierteljahr im Leben des Justus Warweg lässt sich getrost als bewegt beschreiben. Diese Zeit war von Highlights gesäumt und fand seinen Höhepunkt mit dem Weltmeistertitel und der Ehrung zum besten Nachwuchsspieler der Weltmeisterschaft 2026 in Belgien und den Niederlanden. Warweg ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt.

Wenn man ihn erlebt nach dem WM-Triumph, sieht man einen Menschen, der wie viele seiner Mitspieler noch nicht realisiert hat, was eigentlich genau passiert ist. Bei Warweg schwingt aber immer auch ein gewisses Selbstverständnis und Urvertrauen mit, so als wäre der WM-Titel einfach der nächste logische Schritt. In seiner Unaufgeregtheit ähnelt er seinem Mentor, Doppel-Weltmeister Christopher Rühr. Rühr war es, der ihn früh bei Rot-Weiss Köln an die Hand genommen und ihm den Weg in die Nationalmannschaft geebnet hat.

Von den technischen Voraussetzungen ähneln sich die beiden, genauso wie Sturmkollege Thies Prinz. Während Rühr unnachahmlich regelmäßig mit seinen Vor- und Rückhandziehern seine Gegenspieler auf dem falschen Fuß erwischt, dribbelt Warweg den Ball gerne, ähnlich wie Prinz, in der mittleren bis hohen Ebene im 3D-Dribbling und lässt in hohem Tempo seine Gegenspieler stehen. Der gebürtige Kölner ist ein waschechter Stürmer, mit Ben Hasbach wechselte er sich in der U21 darin ab, wer die Tiefe beläuft und bespielt. Bei der A-Nationalmannschaft ist Justus Weigand der klare tiefe Stürmer. Weigand und Warweg standen aufgrund der Wechselrotation allerdings nicht häufig gemeinsam auf dem Platz. Mit Prinz, Rühr oder Michel Struthoff auf dem Platz wechselte der U21-Weltmeister von 2025 sich darin ab, wer in die Spitze vorstößt.

Zwei Treffer gelangen dem 19-jährigen bei seinem WM-Debüt und nicht wenigen bleibt vor allem sein Treffer zum 3:1 beim 4:2-Sieg gegen Australien im Gedächtnis. Rühr war zuvor mit einem tollen Tempodribbling vom linken Flügel in den Kreis gezogen und war zum Abschluss gekommen. Der australische Keeper Ashleigh Thomas reagierte glänzend und wehrte den starken Abschluss Rührs zunächst ab, Warweg schaltete allerdings vom rechten Flügel kommend blitzschnell und brachte den Ball volley aus der Luft auf das australische Tor. Dabei berührte sein Schläger den Ball in einer Bewegung, welche Tennistrainer mit dem Titel „Bratpfanne“ als „No Go“ beim Erlernen des Schmetterballes (Smash) abtun würden. Warweg traf den Ball satt und dieser schlug im australischen Tor ein zum Ausbau der deutschen Führung im wichtigen zweiten Zwischenrundenspiel gegen Australien.

Die Torquote des Deutschen mit der Rückennummer 7 wurde durch die beiden WM-Treffer auf 5 Treffer aus fünfzehn A-Länderspielen hochgeschraubt. Eine bemerkenswerte Quote, zumal Warweg bei seinen ersten neun Einsätzen als Rookie während der abgeschlossenen Pro League Saison weniger Einsatzzeit bekam als bei der WM. Weswegen ihn André Henning vermutlich aber auch für die WM nominierte, ist Warwegs Spritzigkeit, sein Antritt und die Arbeit gegen den Ball, die Warweg immer wieder unermüdlich verrichtet. Er gab dem deutschen Team bei der WM wichtige Impulse im Angriffs- und Gegenpressing. Ein etwas ungestümes Vergehen im Spiel gegen Belgien brachte ihm bereits in der 7. Minute eine Karte ein. Die dadurch verursachte Unterzahl war dem Teamplayer sichtbar unangenehm, nimmt er aber ganz sicher als Learning auf seinem Weg zu einer Größe im deutschen Team mit.

Beim Empfang der Weltmeister im Vereinsheim von Rot-Weiss Köln am Montag wurde Warweg am lautesten empfangen und nicht nur einmal als logischer Nachfolger von Christopher Rühr genannt. Das könnte er womöglich sein, das ließe sich aber vermutlich nicht nach fünfzehn Spielen schon sagen. Erstmal muss Warweg das aber gar nicht sein, denn nicht wenige hoffen, dass man beide gemeinsam auf dem Kunstrasen bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles erleben kann. Eine Zeit lang werden CR17 und JW7 noch koexistieren, bei Warwegs Heimatverein, Rot-Weiss Köln, vermutlich sogar noch länger. Um die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft muss sich auch dank Warweg niemand sorgen. Er und sein zukünftiger Vereinskamerad und Nationalmannschaftskollege Hugo von Montgelas werden dann vielleicht auch wie Tom Grambusch und Rühr irgendwann die beiden erfahreneren Führungsspieler im deutschen Team sein.

Ein gewisser Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro spielte auch mit 19 Jahren sein erstes großes Turnier und nicht mal CR7 wurde direkt Weltmeister.

"Rising Star"-Auszeichnung

Justus Warweg (2.v.r.) bei der Auszeichnung zum "Rising Star", neben ihm Katrin Kauschke (1.v.r.), DHB-Vizepräsidentin Leistungssport

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