FIH Pro League 2026 in Berlin
Gnauert: "Wir wollen hockeyinteressierten ein Hockeyfest auf Weltklasseniveau bieten"
08. April 2026
Marie-Theres Gnauert ist Präsidentin des Berliner Hockey-Verbandes. Im Interview spricht sie über die FIH Pro League-Stage in Berlin und die Bedeutung für den Hockey-Standort Berlin.
Was bedeutet es für den Hockey-Standort Berlin, dass die Pro League das zweite Jahr in Folge Station im Ernst-Reuter-Stadion macht?
Für Berlin ist das super, um Werbung für Hockey zu machen. Sehr positiv für den Berliner Hockey-Verband ist, dass der Senat dieses Projekt aktiv unterstützt und das finanzielle Risiko reduziert. Für uns passt die FIH Pro League gut in unsere Event-Strategie. Wir konnten im vergangenen Jahrzehnt viele internationale Events ausrichten, angefangen mit der Hallen-Weltmeisterschaft 2018 über die Hallen-Europameisterschaft der Herren 2021 und die Hallen-Europameisterschaft der Damen 2024 bis hin zu den Pro League-Ausgaben im vergangenen und diesem Jahr. Wir sind froh und dankbar über die Unterstützung des Senats und die Entscheidung des DHB, eine Pro-League-Stage in Berlin auszurichten.
Wie hast du die Pro League vergangenes Jahr erlebt und was erwartest du dieses Jahr?
2025 war der Spielplan sehr gut und wir hatten zwölf Spiele mit deutscher Beteiligung bei 16 Spielen insgesamt. Außerdem stand die Pro League auch im Zeichen unseres BHV-Jubiläums. Das haben wir eingebaut und einen Empfang für Vereine, Politik und Wirtschaft veranstaltet. Für uns war die Pro-League-Ausgabe im vergangenen Jahr ein voller Erfolg. Auch, weil vieles von dem, was wir uns gemeinsam mit dem DHB vorgenommen haben, funktioniert hat, die Ränge waren voll. Das ist ein großartiges Ergebnis und Erlebnis gewesen. Die Stimmung kam in den Fernsehbildern gut rüber und die Öffentlichkeit konnte sehen, wie viele Kinder und Erwachsene sich für Hockey in Berlin begeistern. Zusätzlich geholfen hat uns dabei das Jugendturnier, das von Z88 (Anm. d. Red.: Zehlendorfer TSV von 1888) parallel veranstaltet wurde. Diese Erkenntnisse helfen uns in Hinblick auf die Bewerbung für die diesjährigen Pro League Spiele.
War ein Effekt der FIH Pro League Veranstaltung im vergangenen Jahr beim BHV spürbar?
Wenn die Frage darauf abzielt, ob die FIH Pro League im vergangenen Jahr zu einer direkten Mitgliedergewinnung beim BHV geführt hat, lautet die ehrliche Antwort: nein. Das war aber auch nicht unser Ziel. Viele Berliner Vereine arbeiten ohnehin an ihrer Kapazitätsgrenze – sei es durch begrenzte Platzverfügbarkeit, Trainerressourcen oder Mannschaftsgrößen. Daher ist uns die Unterstützung des Senats besonders wichtig, um zukünftig zusammen mit der Politik die Weichen für eine bessere Hockey-Infrastruktur in Berlin zu stellen und damit dann Mitgliederwachstum zu ermöglichen.
Der eigentliche Effekt der FIH Pro League liegt für uns an einer ganz anderen Stelle: Wir wollen hockeyinteressierten Menschen in und um Berlin ein Hockeyfest auf Weltklasseniveau bieten. Wir wollen die Faszination unserer Sportart erlebbar machen, Begeisterung wecken und zeigen, dass Hockey in der Hauptstadt seinen festen Platz hat – und je mehr Menschen sich dafür interessieren, desto stärker wird diese Position.
Die FIH Pro League hingegen bringt die Hockeyfamilie zusammen, setzt starke Impulse und motiviert Kinder und Jugendliche, die bereits Hockey spielen, dranzubleiben ihren Vorbildern zuzujubeln und es im besten Fall ihnen gleichzutun.
Genau diese Inspiration ist der Mehrwert, den wir mit der Austragung solcher Events schaffen wollen.
Habt ihr am Rande der Veranstaltung im Juni Initiativen, wie z. B. Teamplayer, geplant?
Wir möchten wieder ein großes Kinder- und Jugendturnier veranstalten, wie auch im vergangenen Jahr. Erneut auf der Anlage von Z88. Das organisiert federführend auch der Geschäftsführer von Z88, Christian Popitz, der ebenso Vizepräsident des Berliner Hockey-Verbands ist. Wir gehen davon aus, dass wir bei dem Turnier ungefähr 500 Teilnehmende auf der Anlage begrüßen können. Dieses Event ist unser Hauptfokus Die Jugendturnier-Teilnehmenden können auf dem Gelände zelten und so eine echte Nähe zu den Spielen und den Hockeystars herstellen.
Wie bewerbt ihr die Pro League innerhalb der Berliner Vereine?
Wir bewerben die Veranstaltung über unseren Newsletter und unsere Website. Auch auf der nächsten Mitgliederversammlung des BHV Mitte April werden wir natürlich darauf hinweisen. Die Sonderkonditionen für Vereine und Mannschaften helfen da bei der Bewerbung. Außerdem verteilen wir mit Unterstützung des DHB Werbebanner an die Vereine. Nach unserer Erfahrung kaufen die Berliner ihre Karten aber eher kurzfristig.
Welche positiven Aspekte hat die Pro League bezüglich der Infrastruktur für die Gastgebervereine?
Investiert wird im Zusammenhang mit der Pro League vor allem in die Anlage des Berliner HC. Das Stadion bekommt ein neues Flutlicht. Die Wasserversorgung wird erneuert und verbessert, denn der Wasserdruck war bisher nicht ausreichend, um mit der Sprenganlage alle Bereiche des Platzes zu bewässern. Das ist in Arbeit und dabei hilft sehr, dass die Pro League in Berlin auf dem Gelände des Berliner Hockey-Clubs Halt macht, um finanzielle Unterstützung durch die Stadt zu erhalten. Außerdem sollen auch die Umkleiden renoviert werden. Das wäre auch für den BHC fantastisch und ein echtes Upgrade.
Was sind deine Wünsche und Vorstellungen für den Hockey-Standort Berlin in den kommenden Jahren?
Ein zweiter Kunstrasenplatz im Olympiastadion wäre mein allergrößter Wunsch. Wir würden uns freuen, wenn wir einen zentralen Ort hätten, an dem wir Veranstaltungen durchführen können, die unabhängig sind vom Trainingsbetrieb, das würde uns vieles erleichtern. Wir sind dafür regelmäßig in Gesprächen sowohl mit der Olympiapark-Verwaltung als auch mit dem Berliner Senat. Zudem brauchen wir unbedingt einen neuen Belag für den ersten Platz im Olympiastadion. Das sind eigentlich unsere Heimplätze und die Plätze, die wir hauptsächlich verwalten. Wenn wir diese erneuern könnten, was immer wieder Gesprächsthema ist, würde das den Hockey-Standort Berlin unheimlich nach vorne bringen.
Und was sind bezogen auf die Pro League deine Wünsche?
Natürlich, dass wir die Pro League auch ein drittes Jahr in Folge ausrichten dürfen.