Hallen-EM 2026 in Prag
Kapitänin Poppe: "Sich mental auf das vorzubereiten, was wir hier erlebt haben, ist nicht möglich"
21. January 2026
Fenja Poppe hat am Sonntag ihren zweiten Hallen-Europameistertitel geholt und die Hallen-DANAS als Kapitänin zum Erfolg geführt. Im Interview spricht Poppe über den Unterschied der beiden Erfolge, ihre Gedanken beim entscheidenden Penalty, der Deutschland ins Finale brachte, und ihre Emotionen nach dem Triumph.
Hallo Fenja, ist der zweite Titel schwerer zu realisieren als der erste?
Das waren zwei völlig unterschiedliche Turniere, aber ich habe diesen Erfolg auch noch überhaupt nicht verarbeitet ehrlicherweise.
Kannst du einmal deine Gedanken bei dem entscheidenden Penalty schildern?
Ich kann nicht sagen, was mir da alles durch den Kopf ging. Aber Selina ist vor allem verantwortlich dafür, dass ich überhaupt in diese Situation gekommen bin.
Es war bemerkenswert, wie viel Gefahr und Zielstrebigkeit ihr in den Phasen, in denen ihr eure Torhüterin rausgenommen habt für eine sechste Feldspielerinnen, entwickelt habt. Hast du das auf dem Feld auch so wahrgenommen?
Das stimmt schon, dass als wir zu sechst waren, noch mehr Power in unserem Spiel steckte. Ich kann gar nicht genau erklären warum, aber es hat jedes Mal funktioniert. Es war unglaublich, dass wir in der, von der Bundesliga abweichend kurzen, Spielzeit es immer geschafft haben die Spiele in 20 oder weniger Minuten zu drehen.
Was war diese EM für eine Reise für dich als Kapitänin?
Die Reise war für mich vermutlich nicht anders als Kapitänin. Wie schon beschrieben, war das wirklich eine "Achterbahn der Gefühle", aber die Ups und Downs haben uns auch zu einer Mannschaft zusammenwachsen lassen.
Wie schnell war für dich klar, dass du Lust hättest, nochmal Teil des Hallen-DANAS-Projektes mit diesem Team unter einem neuen Trainer zu sein?
Das war für mich keine Frage. Es ist auch keineswegs selbstverständlich gewesen, dass ich dabei bin. Es gab einen Trainerwechsel und es gibt wahnsinnig viele talentierte Hockeyspielerinnen in Deutschland, die in Prag hätten spielen können. Für mich ist das eine riesengroße Ehre das Deutschland-Trikot anziehen zu dürfen und für mein Land zu spielen. Und auch aus Erfahrung der letzten beiden Turniere, die ich spielen durfte, habe ich sehr viel mitnehmen können, viel gelernt und eine tolle Zeit gehabt. Deswegen habe ich mich sehr geehrt gefühlt und war mit voller Vorfreude auf das Turnier.
Eine Hallen-EM ist mit vier Turniertagen sehr kurz. Wie hast du dich auf die EM in Prag optimal vorbereitet?
Ich glaube sich auf das mental vorzubereiten, was wir hier erlebt haben, ist nicht möglich. Körperlich war ich fit, weil die EM mitten in die Bundesliga-Saison fiel. Für die Winter- bzw. Weihnachtspause haben wir einen Athletikplan von unseren Trainern bekommen und dementsprechend gab es nicht unbedingt eine extra Vorbereitung.
Du hast erwähnt, dass ihr bei dieser EM viele Ups und Downs erlebt habt. Wie schnell seid ihr dadurch und auch allgemein zusammengewachsen?
Von Anfang an haben wir uns alle sehr gut verstanden und sind sehr schnell zu einem Team geworden. Es war ohnehin nicht das Gefühl, dass wir uns erst seit drei Tagen kennen. Wir kannten uns alle aus der Bundesliga, aber halt nicht gut. Wenn man dann so eine intensive Zeit zusammen erlebt, lernt man sich natürlich auch extrem schnell sehr genau kennen. Es war eine sehr gute Stimmung und es hat sehr schnell Klick gemacht. Und ich glaube, durch diese Achterbahn der Gefühle, die wir da durchgegangen sind, ist man noch schneller noch enger zusammengerückt. Wir haben Dinge schnell nochmal rückblickend analysiert, um zu gucken, was können wir besser machen, wie können wir uns gegenseitig besser helfen und was braucht jede Einzelne persönlich.
Wie gehst du damit um, dass du am Freitag gegen den Uhlenhorster HC schon wieder für deinen Verein, den Harvestehuder THC, auf dem Platz stehen wirst?
Ich merke schon gerade, dass es körperlich und mental echt viel war. Die Zeit in Prag ging so schnell um und es ist so viel passiert. Wir hatten am Samstagabend einen Moment, wo wir allein den Samstag Revue passieren haben lassen. Dieser Tag war nämlich verrückt. Wir haben um 9 Uhr gespielt, die Aktivierung war um 6:30 Uhr. Dann liegen wir wieder im Spiel gegen Belgien zur Halbzeit hinten, gewinnen das Spiel aber noch, also waren gefühlt schon raus und dann doch weiter. Abends steht das Halbfinale gegen Spanien an und wieder liegen wir erstmal hinten. Im vierten Viertel führen wir zwischenzeitlich, die Spanierinnen treffen aber noch zum Ausgleich und bekommen kurz vor Schluss sogar noch zwei Ecken. Eine müssen wir ohne Torwart verteidigen, eine mit Torwart. Das gelingt und im Penalty-Shootout sind wir auch gefühlt schon raus, ehe wir dann doch weiterkommen. Das alles kannst du ja keinem erzählen.