Hallen-EM 2026 in Prag
Hallen-DANAS verpassen zweiten Gruppensieg knapp und spielen Remis
15. January 2026
In einem intensiven Match, bei dem Deutschland immer wieder Rückständen hinterlaufen musste, verpasste das deutsche Team den zweiten Gruppensieg am Ende nur knapp. Der Spielfilm.
Torschützinnen:
0:1 Maya Flury (3. Minute)
1:1 Maike Scheuer (3.)
1:2 Elena Trösch (13.)
2:2 Fenja Poppe (16.)
2:3 Sofie Stomps (22.)
2:4 Sarah Zepf (30.)
3:4 Fenja Poppe (30.)
4:4 Charlotte Hendrix (37.)
5:4 Philine Drumm (38.)
5:5 Raffaela Triebold (40.)
Die erste Hälfte:
Nach einer ersten gefährlichen Torannäherung erzielte die Schweiz früh die Führung durch Maya Flury, die nach Zuspiel am langen Pfosten nur noch einschieben musste in der 3. Minute. Die Antwort folgte jedoch sofort durch Maike Scheuer, die sich abermals, wie im Vormittagsspiel gegen Irland, vom linken Schusskreisrand ein Herz fasste und mit ihrem Abschluss ins lange Eck traf zum 1:1-Ausgleich (3.). Die Schweiz lief den deutschen Spielaufbau früh an und stellte die deutsche Spielanlage so vor eine echte Aufgabe, im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Irland. Deutschland lauerte auf Ballgewinne und schaltete dann blitzschnell um.
Zu Beginn des zweiten Viertels verpasste Deutschland nach einer tollen Kombination die Führung in der 12. Minute, kurze Zeit später machte es die Schweiz besser. Sofie Stomps zog über die rechte Seite in den Schusskreis und fand mit ihrem Querpass Elena Trösch am langen Pfosten, die in der Schnittstelle von Selina Müller und Pia Lhotak das Zuspiel von Stomps zur erneuten Schweizer Führung verarbeiten konnte. Nach einer schönen, aber unerfolgreichen Strafeckenvariante kurz zuvor erzielte Fenja Poppe in der 16. Minute trocken den 2:2-Ausgleich nach einer Strafecke. In der 18. Minute hatten die Hallen-DANAS die Dreifachchance mit Abschlüssen von Philine Drumm, Benedetta Wenzel und Charlotte Gerstenhöfer, die bei ihrem Nachschuss nur den Querbalken traf. Deutschland schaffte es in dieser Phase gut Schweiz in der eigenen Hälfte einzuschnüren und ging als besseres Team in die Halbzeitpause.
Die zweite Hälfte:
Nach einer zumindest diskutablen Strafecke ging die Schweiz in der zweiten Hälfte als Erstes in Führung in der 22. Minute. Stomps traf mit ihrem Ziehschlenzer in die verwaiste lange Ecke zum erneuten Schweizer Führungstreffer. Kurz danach stoppte bei einer Doppelchance eine Schweizer Verteidigerin den Nachschuss von Philine Drumm auf der Linie und verhinderte den direkten deutschen Ausgleich. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem der deutschen Mannschaft auch immer wieder hohe Ballgewinne gelangen. Die Schweiz wirkte allerdings auch gefährlich und schien jederzeit in der Lage aus dem Nichts zuschlagen zu können. So kam es auch in der 30. Minute: In einem Moment, in dem Charlotte Gerstenhöfer in einer hoch aufgerückten Formation kurzzeitig die Mitte öffnete, kombinierte sich die Schweiz erfolgreich vor das deutsche Tor und erzielte durch Sara Zepf den 4:2-Führungstreffer aus Schweizer Sicht. Kurze Zeit später tat eine Schweizer Angreiferin dem Gegner einen Gefallen und foulte Abwehrspielerin Pia Lhotak im Vorwärtsgang hart, weit vor dem Schusskreis, und begünstigte dadurch in der Folge das deutsche Comeback. Die folgende deutsche Strafecke zimmerte Kapitänin Poppe erneut trocken unters Dach zum 3:4 (30.).
Nachdem Scheuer kurz zuvor eine gute Chance im Tempogegenstoß in der 35. Minute knapp am Tor vorbei setzte, gelang Charlotte Hendrix auch noch der Treffer zum 4:4-Ausgleich nach Vorlage per Rückhandpass von Poppe (37.). Das Comeback schien komplett, als kurz darauf Philine Drumm auch noch den Treffer zum 5:4 und die erstmalige deutsche Führung in der 38. Minute erzielte. Vorausgegangen war ein hoher Ballgewinn von Gerstenhöfer, daraufhin versenkte Drumm den Ball unter der Schweizer Keeperin Fazis. Den Schlussstrich setzte jedoch die Schweiz, die kurz vor Schluss noch eine Strafecke zugesprochen bekam. Der erneute Ausgleich zum 5:5 folgte durch Raffaela Triebold nach einer Strafeckenvariante mit Ablage, die das deutsche Team von Bundestrainer Erik Koppenhöfer erneut kalt erwischte.
Aufgrund der Schweizer Effizienz ging die Punkteteilung in Ordnung. Die Hallen-DANAS müssen sich ankreiden, dass sie nicht mehr Tore aus den vielen Möglichkeiten (13:3 Strafeckenverhältnis für Deutschland) erzielen konnten.
Die Szene des Spiels:
Fenja Poppes Treffer zum 3:4-Anschlusstreffer, der zum einen psychologisch enorm wichtig war für das Comeback zum 5:4 nach zwischenzeitlichem 2:4-Rückstand und außerdem wunderschön anzusehen. Der Ball landete unhaltbar unter dem Dach des Schweizer Tores und nicht nur dieser Treffer zeigte Poppes Leader-Qualitäten bei einer persönlichen Top-Leistung (zwei Tore, eine Vorlage).
Der Ausblick:
Nach dem intensiven Schlagabtausch gegen die Schweiz wartet am Freitag (16.1., 17:20 Uhr) mit dem Weltranglistenersten Österreich die nächste schwere Aufgabe für das deutsche Team um Kapitänin Fenja Poppe.
Die Stimmen zum Spiel:
Benedetta Wenzel: "Es war auf jeden Fall sehr enttäuschend, ich glaube wir haben mehr erwartet vor dem Spiel. Es ist natürlich ein Unentschieden und keine Niederlage, aber es fühlt sich gerade ein bisschen so an. Wir haben vorne zu wenig aus unseren Chancen gemacht und hinten zu viele Konter zugelassen. Es ist natürlich sehr ärgerlich, dass wir kurz vor Schluss den Führungstreffer erzielen und am Ende noch den Ausgleich bekommen."
Pia Lhotak: "Das ist definitiv sehr enttäuschend, das war nicht unser Anspruch. Trotzdem schauen wir jetzt nach vorne und haben das Spiel gegen Österreich vor uns. Das Spiel werden wir wieder gut angehen und versuchen alles herauszuholen, um die nächsten drei Punkte einzufahren."
Bundestrainer Erik Koppenhöfer: "Wir haben uns vorher schon ausgerechnet, dass wir gewinnen, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf die Mädchen. Sie haben immer wieder hinten gelegen, sind aber auch zurückgekommen und haben zum Schluss geführt. Dann kriegst du kurz vor Schluss nochmal die Ecke gegen, das ist ärgerlich. Für uns haben sich die Voraussetzungen nicht verändert, für uns ist weiterhin jedes Spiel ein Endspiel. Von daher haben wir morgen ein weiteres Endspiel und es ändert sich nichts. Klar, haben wir jetzt nur vier statt sechs Punkte, aber dennoch kann man mit dem Spiel zufrieden sein. Mit der Eckenausbeute kann man das nicht sein und das ist zu verbessern. In der Defensive gibt es auch ein zwei Themen. Insgesamt bin ich aber weiter positiv gestimmt und denke, dass die Mädels die erste schwierige Situation bei der EM gut gemeistert haben."