WM 2026 in Belgien und den Niederlanden
Deutsche Hockey-Herren ziehen ins WM-Halbfinale ein
23. August 2026
Die deutschen Hockey-Herren haben bei der WM in Belgien und den Niederlanden das Halbfinale erreicht. Der 4:2-Erfolg über Australien war auch ein Sieg der Effizienz.
Torschützen:
0:1 Blake Govers (3. Minute)
1:1 Hannes Müller (11.)
2:1 Michel Struthoff (12.)
3:1 Justus Warweg (19.)
3:2 Joel Rintala (30.)
4:2 Hugo von Montgelas (40.)
Die erste Hälfte:
Der Klassiker zwischen Deutschland und Australien begann mit einem Schock für die deutschen Herren: Der erste Kreiseintritt der Australier führte bereits zur Führung. Blake Govers stand in der dritten Minute goldrichtig am zweiten Pfosten und schob zum 0:1 aus DHB-Sicht ein. Aber die Mannschaft von Trainer André Henning ließ sich davon nicht beeindrucken und kam in Überzahl durch die zweite Strafecke kurz hintereinander, dieses Mal geschossen von Jakob Brilla, zur Ausgleichschance. Der australische Goalie zuckte kurz und lenkte den Ball mit einer Glanztat über das Tor (6.). Die Chance war der Auftakt für eine sehr gute Phase der deutschen Mannschaft, die jetzt immer besser mit der mannorientierten Deckung der Australier zurechtkam. Es war Hannes Müller, der mit der argentinischen Rückhand wunderschön in den linken Knick zum verdienten Ausgleich traf (11.). Und es sollte noch besser kommen: Nur eine Minute später vollendete Michel Struthoff eine Hereingabe von Christopher Rühr staubtrocken zum 2:1. Spiel gedreht – in 120 Sekunden.
Im zweiten Viertel diktierte die DHB-Auswahl zunächst weiter das Geschehen und kam folgerichtig zum nächsten Treffer. Nach einem herrlichen Heber auf Rühr zog dieser in den Kreis und fand bei seinem Abschluss zunächst im australischen Keeper seinen Meister, aber Justus Warweg mit seinem zweiten WM-Treffer verarbeitete den zweiten Ball sehenswert zum 3:1 (19.). Die Kookaburras brauchten etwas, um wieder ins Spiel zu finden. Ein Schuss von Tom Craig ging zunächst hauchzart rechts am Tor vorbei, kurz danach war es aber Joel Rintala, der den Anschluss für die Australier doch noch kurz vor der Pause schaffte. Es war der Schlusspunkt von extrem intensiven 30 Minuten Spitzenhockey mit leichten Vorteilen für das sehr effiziente deutsche Team, das bei sechs Kreiseintritten dreimal traf.
Die zweite Hälfte:
Deutschland fing gleich wieder gut an und kam durch Rühr zur ersten Chance in der zweiten Hälfte. Torwart Thomas war aber zur Stelle. Weiter ging es vor allem in eine Richtung. Hugo von Montgelas holte eine Strafecke heraus, die zunächst abgewehrt wurde. Den Abpraller verwandelte von Montgelas zum 4:2, es war sein erstes Länderspieltor überhaupt (40.). Die Australier waren jetzt sichtlich beeindruckt und schafften in dieser Phase kurz vor Ende des dritten Viertels kaum noch Kreiseintritte.
Mit dem 4:2 ging es in den letzten Abschnitt. In diesem versuchten die Australier mit vielen Schlenzern, in den Kreis zu kommen, die DHB-Defensive hielt aber stand. Nach einem Konter hätte Justus Weigand besser selber abschließen sollen, suchte aber den Pass zu Warweg, den Tom Craig antizipierte (52.). In der Schlussphase erhöhten die Australier nun den Druck und kamen auch zu guten Möglichkeiten. Im Abschluss blieben sie aber zu unpräzise. Auch die Strafecken blieben ungenutzt. So blieb es bis zum Schluss beim verdienten 4:2 für die deutsche Mannschaft, die auf den Punkt gegen Australien in diesem enorm wichtigen Spiel da war und sich nun auf ein Halbfinale freuen kann.
Die Szene des Spiels:
Hannes Müllers Tor zum 1:1-Ausgleich war nicht nur psychologisch wichtig, sondern auch wunderschön anzusehen. Müller donnerte mit der argentinischen Rückhand die Kugel genau links oben in den Winkel. Ein Treffer, der das Eintrittsgeld in der Belfius-Arena von Wavre alleine wert war.
Stimmen zum Spiel:
Bundestrainer André Henning: "Das war das größte Druckspiel, was wir kriegen konnten. Und was passiert: Die Mannschaft zeigt das beste Spiel seit zwei Jahren. Darauf bin ich sehr stolz, dass wir so eine Entwicklung hinbekommen. Das war vor dem, was ich erwartet hätte heute. Das ist ein herausragender Erfolg. Der kleine Krisenmoment gegen Spanien war auch lehrreich. Im Vergleich zum Spanien-Spiel stand ja heute insbesondere in der Offensive eine andere Mannschaft auf dem Platz. Dieses Gefühl konnte man bekommen. Die Jungs waren vorne mutig und hatten viel Lust. Wenn wir so weiter machen, offensiv und auch in der Defensive so gut wie bisher in diesem Turnier stehen, dann wird uns das weitertragen."
Hannes Müller: "Wir hatten uns damit auseinandergesetzt, dass man auch zurückliegen kann. Wir wussten aber um unsere Stärken und die haben wir dann versucht, über 60 Minuten auf den Platz zu bringen. Das ist uns auch eindrucksvoll gelungen. Die Erleichterung ist jetzt sehr groß. Hier auszuscheiden, wäre bitter gewesen. Mal schauen, wer jetzt unser Gegner wird. Wir wollen ins Finale, ganz klar."
Hugo von Montgelas: "Ich bin sehr glücklich und muss das erstmal verarbeiten: Gut, dass wir jetzt ein paar Tage frei haben. Es scheint so, als hätte ich mir mein erstes Tor für dieses Match gegen Australien aufgehoben. Das ist ein perfekter Tag heute. Das Spanien-Spiel war natürlich ein kleiner Downer. Aber wir wissen, dass wir unter Druck noch besser sind. Das haben wir heute bewiesen. Wenn man im Halbfinale steht, dann will man natürlich auch weiterkommen."
Der Ausblick:
Die deutschen Herren spielen am kommenden Freitag ihr WM-Halbfinale, Gegner, Spielort und Uhrzeit werden noch ermittelt.