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Weltmeisterschaft 2026 in Belgien und den Niederlanden

Schopman: "Wir haben sehr hart an unseren Baustellen gearbeitet und wir wissen, wir können konstant hohe Leistungen bringen."

08. August 2026

Kurz vor dem WM-Start spricht Bundestrainerin Janneke Schopman über die WM-Vorbereitung, besondere Duelle in der DANAS-Gruppenphase und ihren Coaching-Ansatz.

Wie blickst du auf die letzten Wochen zurück? Wie waren deine ersten Eindrücke von Wavre? Und was nimmst du aus den erfolgreichen Testspielen gegen Belgien und Indien mit?

Die Vorbereitung ist sehr gut gelaufen. Man weiß nie, wie die Spielerinnen drauf sind, wenn es in der Vorbereitung so anstrengend ist, sie an ihre physischen Grenzen gehen müssen und vorab bereits zuhause an ihrer Fitness gearbeitet haben. Das haben aber alle sehr gut gemacht. Für uns war es sehr wichtig, dass wir schon in Wavre in der Vorbereitung gewesen sind, sodass wir uns das Hotel anschauen konnten und genau wissen, was wir gegebenenfalls verändern müssen. Somit gibt es keine Überraschungen, wenn wir am 10.08. anreisen.

Der Vorbereitungslehrgang in Heilbronn war sehr aufschlussreich. Die drei Spiele, die wir gespielt haben, plus das Training waren sehr anstrengend. Wir haben viel an taktischen Themen und Strafecken gearbeitet. Wir sind bereit und freuen uns auf den Turnierstart.

Du kommst aus einem der Gastgeberländer und kannst gut einschätzen, auf was wir uns bei der WM in Belgien und den Niederlanden einstellen können. Hast du in den Gastgeberländern eine Entwicklung der Zuschauerbegeisterung beobachten können im Vergleich zu deiner Zeit?

Alles ist sehr viel professioneller geworden. Social Media gab es z.B. zu meiner aktiven Zeit nicht. Im eigenen Land zu spielen ist immer besonders und zieht viele Fans an. Die Niederlande organisieren Turniere immer sehr gut. Auch die WM in London 2018 hatte eine großartige Atmosphäre mit vielen Zuschauern und einer sehr guten Organisation. Nach Olympia ist eine WM das größte Turnier in unserer Sportart. Zu der Frage, es ist schwierig zu sagen, ob es eine so deutliche Entwicklung gab. Wenn ich die Pro League in Berlin gesehen habe, dann haben wir auch sehr viele Leute erlebt, die gerne Hockey schauen. Bei der WM werden bestimmt viele Leute aus Deutschland und Frankreich zum Zugucken kommen.

Man kann bei den Belgiern schon eine gesteigerte Begeisterung beobachten, weil das Land als Hockeynation noch nie so erfolgreich war wie jetzt, vor allem nicht im Damenhockey. Zuhause zu spielen ist für Belgien ein sehr großer Vorteil.

Die Entscheidung der FIH 16 Länder einzuladen für eine WM macht es nochmal interessanter und das neue Turnierformat führt auch dazu, dass wir von Anfang an richtig da sein müssen. Dass zwei große Hockey-Nationen die WM ausrichten, ist gut für unseren Sport.

Was ist deine erste Erinnerung an eine WM?

Das war 1990, als die niederländischen Damen gewonnen haben. Da war ich etwa 13 Jahre alt und habe diesen großen Titel für das Land miterlebt. Gegen Australien im Finale haben wir mit der ganzen Familie vor dem Fernseher gesessen. Dieser Titel hat dem Land unfassbare Freude gebracht.

2006 wurdest du Weltmeisterin als Spielerin und hast insgesamt an drei Weltmeisterschaften teilgenommen. Wie viele von diesen Erinnerungen baust du in deine Team-Besprechungen und Motivationsreden mit ein?

Nicht so viel. Ich erzähle ab und zu von meinen Erfahrungen als Spielerin. Eine WM ist kein normales Turnier und es gibt Dinge, die man nicht oder nur schwierig beeinflussen kann.

Meine Erfahrung hilft mir Antworten auf Fragen zu finden, die dabei helfen sollen erfolgreich zu sein. Meine Erfahrung als Trainerin ist, dass eine Medaille nicht immer bedeutet erfolgreich zu sein und keine Medaille auch nicht immer bedeutet nicht erfolgreich sein.

In den Besprechungen versuche ich auf uns zu schauen, wo wir als Team stehen und wie wir unsere Leistung bringen können. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann glaube ich auch, dass wir mit dieser jungen Mannschaft und mit dieser Energie, die wir auf dem Platz haben, einiges erreichen können.

Wir müssen aber erstmal das Auftaktspiel gegen Schottland bestreiten und jedes Spiel für sich muss erstmal gespielt werden, zu weit nach vorne zu schauen hilft nicht.

Ihr wart bei den PL-Spielen gegen die Argentinierinnen nahe am Punktgewinn dran. Was nehmt ihr euch für dieses Highlight-Spiel vor?

Argentinien ist ein besonderer Gegner. Ich habe immer gerne gegen Argentinien gespielt, auch wenn die Duelle 50:50 ausgegangen sind und wir in wichtigen Momenten verloren haben. Argentinien spielt einen anderen Stil als wir in Deutschland und das macht die Duelle so interessant. Prinzipiell sind wir eine Mannschaft, die sehr gut gegen solche Mannschaften spielen kann, aber wir müssen individuell und als Team sehr gut sein.

Es macht immer Spaß, gegen solche Gegner zu spielen und das wird eine Herausforderung, denn Argentinien hat nach den Niederlanden in den letzten Jahren die meisten Medaillen gewonnen. Wir spielen aber, um gegen sie zu gewinnen und sie gegen uns.

Wie sehr freust du dich auf das Duell mit den USA, die du von 2014 bis 2019 erst als Co- und dann als Cheftrainerin begleiten durftest? Und was erwartest du von den Schottinen, die bei der EM 2025 eine der Überraschungen waren?

Es gibt nur noch ein bis zwei Spielerinnen, die ich bei den Amerikanerinnen in der U21 trainiert habe. Der Turnover in den USA ist immer sehr groß. Das ist jetzt eine völlig andere Mannschaft. Ich finde die USA machen eine sehr gute Entwicklung durch. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in L. A. 2028 bauen sich die Amerikaner etwas auf.

Für uns ist es am wichtigsten, dass wir unser eigenes Spiel spielen, und dann ist es egal, ob wir gegen Schottland, USA oder Argentinien spielen. Am Ende müssen wir unser eigenes Spiel spielen und bauen das seit Januar auf. Wir waren im Juni unserer idealen Vorstellung vom eigenen Spiel schon sehr nahe.

Unsere eigene Stärke muss sein geduldig zu bleiben und zu wissen, dass wir die Qualitäten, die Fähigkeiten und auch die Physis haben, um solche Gegner zu schlagen.

Wann war für dich klar, dass du Trainerin werden wolltest?

Ich war ca. 24 Jahre alt und war schon Trainerin im Jugendbereich bei meinem damaligen Verein. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, ob ich überhaupt mal Nationalmannschaft spielen würde. Dann bin ich doch für die Nationalmannschaft nominiert worden und habe noch zehn Jahre dort gespielt. Am Anfang dachte ich, ich spiele vielleicht mal ein großes Turnier mit der Nationalmannschaft, höre anschließend auf und werde Trainerin. Am Ende waren es doch 10 Jahre Nationalmannschaft.

Nach zwei, drei Jahren als Trainerin in der Hofdklasse hat mich eine internationale Trainertätigkeit gereizt. 2014 habe ich die Möglichkeit bekommen bei den USA als Co-Trainerin zu arbeiten und durfte die Mannschaft direkt bei der WM in den Niederlanden begleiten. Zwölf Jahre weiter und ich bin wieder bei einer WM. Somit habe ich seit 2002 alle Weltmeisterschaften als Trainerin oder als Spielerin erlebt.

Du hast in den USA und Indien tolle Hockey-Programme entwickelt und bei den DANAS ist auch mit den letzten Ergebnissen eine steile Entwicklung zu beobachten. Wie gelingt es dir diese Entwicklung mit einer Mannschaft zu schaffen und den Glauben an etwas Großes zu wecken, nachdem diese Nationen eine nicht so erfolgreiche Zeit oder auch eine große Enttäuschung erlebt haben?

Für mich ist wichtig, welche Potenziale ich in einem Team entdecke und wie sich die Spielerinnen mit ihrem Feedback dazu einbringen. Den Prozess mit den DANAS haben wir zusammen mit den Spielerinnen angepackt und wurde nicht durch mich als Trainerin vorgegeben. Am Ende sage ich den Mädels „Ihr spielt, ich nicht“. Ich bin an der Seitenlinie und will ein Team, das Entscheidungen treffen kann auf dem Platz. Mein Ansatz ist auch, wenn die Mannschaft das Gefühl hat, wir müssen etwas ändern, dann bin ich die Letzte, die sagt, das geht aber gar nicht.

In den letzten zwei Jahren waren wir, wie auch bei der EM, manchmal sehr gut, hatten aber auch unsere Schwächephasen. Das Ziel ist auf einer Skala von 1 bis 10 konstant nicht unter 6 zu performen. Eine 5 oder eine 4 sollte nicht auftauchen. Wenn das eintritt, sind wir ein sehr schwerer Gegner für alle. Vertrauen darin habe ich. Wir haben sehr hart an unseren Baustellen gearbeitet und wir wissen, wir können konstant hohe Leistungen bringen. Wir können nicht einfach mit dem Mindset auf den Platz gehen, dass wir Deutschland sind und deswegen immer gewinnen. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die auf dem Platz steht und für- sowie miteinander kämpft. Manchmal läuft es gut, manchmal nicht, aber der Kampfgeist, die Überzeugung und ein Auftreten als Team muss immer vorhanden sein.

Werden Spielerinnen mit einbezogen, um eine Spielidentität herauszuarbeiten? Und wie viel Einfluss haben auch deine Co-Trainer auf die taktische Komponente?

Das ist eine interessante Frage für die Spielerinnen. Ich mag es sehr gerne in die Videoanalyse und Taktikanalyse zu gehen und darauf basierend zu entscheiden, wie wir am besten spielen könnten. Mir ist bewusst, dass das am Anfang für das Team nicht einfach war, auch weil ich gerne sehr detailliert arbeite in solchen Analysen. Das war schwierig am Anfang, denn es waren vielleicht auch zu viele Details für die Spielerinnen. Unsere Prinzipien waren und sind immer klar definiert, aber wenn ich 100 Szenen schaue und die Spielerinnen aber nur zwei oder drei exemplarisch zu sehen bekommen, dann verstehe ich auch, wenn noch nicht alle Details klar zu verstehen sind. Ich glaube, dass ich vor allem nach der EM sehr viele Schritte auf einmal gehen wollte mit der Mannschaft und das hat nicht gut funktioniert. Das ist mein Fehler und meinem Enthusiasmus geschuldet.

Wir sind über die letzten Monate besser in den Austausch gekommen, welche taktischen Freiheiten es geben soll. Wir hatten letzte Woche nach dem Testspiel gegen Belgien ein taktisches System, was wir aus dem Staff vorgeschlagen haben, und dann gab es von den Spielerinnen auch Rückmeldungen, die gefragt haben, ob wir das nicht besser anders machen. Wir haben in der Vorbereitung auch experimentiert mit taktischen Systemen. Meine Vorstellung ist aber nicht, dass ich vor dem Spiel sage, dass wir in den ersten Minuten so spielen sollen und nach genau sieben Minuten umstellen. Wenn die Spielerinnen das Gefühl haben, etwas hilft uns, um in dem Moment besser zu spielen, dann sollen sie das auch gerne so entscheiden und machen. Wichtig ist aber, dass wir es dann als Team machen und alle Spielerinnen die taktische Umstellung umsetzen.

Wie gehst du das Coaching während der Spiele allgemein an?

Ich fand das als Spielerin schon schwierig, wenn zu viel von der Seite kommt und vor allem im Ballbesitz versuche ich nicht zu viel zu sagen, damit die Mannschaft im Aufbau selbst Entscheidungen trifft. Manchmal versuche ich von der Seite Energie zu geben, wenn diese auf dem Feld benötigt wird, aber darin ist Dome (Anm. d. Red.: Co-Trainer Dominic Giskes) auch sehr gut. Bei gegnerischem Ballbesitz, wenn wir mal nicht so viel Zugriff haben, kann es zum Beispiel sein, dass ich akustisch helfe, damit wir rausschieben. Manchmal sage ich auch „Was machen wir jetzt?“. Damit wissen die Führungsspielerinnen, dass wir wieder Klarheit in unser Spiel bringen müssen. Manchmal bekomme ich aber von den Spielerinnen die Rückmeldung, dass ich weniger Input geben soll. Das ist ein schmaler Grat, aber ich finde das auch mal hilfreich, wenn sie sagen, jetzt reicht es.

Du hast seit deinem Amtsantritt viele konsequente Personalentscheidungen getroffen. Wie weit können es die auserwählten 20 bei dieser WM in deinen Augen schaffen?

Es sind mehr als die 20 Nominierten, die uns das ganze Jahr weitergeholfen haben. Speziell muss ich sagen haben Jule Bleuel und Julia Hämmerle, die jetzt nicht im Kader sind und aber jeden Lehrgang bis zur WM mitgemacht haben, mit guter Laune und Professionalität mitgeholfen. Natürlich bringt die Nominierung Enttäuschung. Auch Mali Wichmann ist von der Ostsee angereist für den Lehrgang in Belgien, um uns als 3. Torhüterin zu helfen. Das sagt sehr viel aus über diese Mannschaft.

Bei der Zielsetzung für diese WM schauen wir nach oben. Wenn ich die Niederländerinnen mal weglasse, da sie nochmal eine andere Qualität haben, sind wir eine Mannschaft, die mit unserer Energie, Arbeit, Stärke und Qualität alle schlagen kann. Wir sind aber auch eine Mannschaft, die andere auch mal schlagen können. Für uns ist wichtig, dass wir immer 100 Prozent da sind.

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