Nachruf Wolfgang Sinner
18. October 2026
Mit großer Bestürzung hat das deutsche Schiedsrichterwesen vom Ableben von Wolfgang Sinner erfahren. Er war eine der prägenden Figuren des deutschen Schiedsrichterwesens. Er übernahm als Vorsitzender den Schiedsrichter- und Regelausschusses auf dem Bundestag 1985. In seiner Ägide wurden wesentliche Weichen für die zukünftige Entwicklung gestellt.
1988 wurde die zweigleisige 2.Feld-Bundesliga bei den Herren eingeführt. Dies führte dazu, dass der Bedarf an geeigneten Schiedsrichtern sprunghaft anstieg. Er überwand die damals geltende Verbandsneutralität bei Bundesligaspielen und sorgte dafür, dass jungen Schiedsrichtern die Tür in die Bundesliga geöffnet wurde, die ihnen sonst für viele Jahre versperrt gewesen wäre. Er gab den jungen Wilden eine Chance und ermöglichte vielen eine erfolgreiche Karriere in der Bundesliga und auf dem internationalen Parkett. Rommel, Meyer, Hissenauer, Peltzer, Löwenstein und viele, viele mehr wurden von ihm gefördert und unterstützt. Auch der Unterzeichner verdankt ihm seine Karriere. Die Ansetzung im Finale der Deutschen Hallen-Hockeymeisterschaft 1992 in Limburg von Ralf Hissenauer und Christian Siebrecht (Letzterer im für Schiedsrichter „zarten“ Alter von 23 Jahren), brach mit vielen Gewohnheiten und Traditionen und brachte ihm viel Kritik ein, die er mit seiner ihm eigenen, nicht immer einfachen Art an sich abprallen ließ.
Im Jahr 1990 kam es zur Wiedervereinigung, die auch das Schiedsrichterwesen vor die Herausforderung der Integration stellte. Das diese weitestgehend gelungen ist, dafür stehen stellvertretend Namen wie Knut Jürgens aus Berlin, der bald eben so ein Original war, wie die legendären (westdeutschen) Schiedsrichter Friedhelm Sprenger und Gerd „Schweinchen“ Mühlenz und diverse Herren-Endrunden pfeifen durfte, und Ilona Popp aus Köthen, die 1987 noch für die DDR das Endspiel der Damen-Hallen-Europameisterschaft in Bad Neuenahr geleitet hat.
1995 wurde die Abseitsregel abgeschafft. Diese Regeländerung hat unsere Sportart wesentlich verändert. Unvergessen die vielen Schiedsrichter, die einige Zeit brauchten, um sich an die neue Regel zu gewöhnen, und mit unverhofften Abseitspfiffen zur Erheiterung der Zuschauer beitrugen.
Bis 1997 gab er dem Schiedsrichterwesen eine unbequeme Stimme im Präsidium und in der Hockey-Familie und kämpfte um das Ansehen der Schiedsrichter in Deutschland und dem Schiedsrichterwesen als integralem Bestandteil des Hockeysports. Er motivierte junge Schiedsrichter, sich in ihren Landesverbänden zu engagieren und dem Schiedsrichterwesen neues Leben einzuhauchen.
Er hat das Schiedsrichterwesen in Deutschland, wie wir es aktuell mit all seinen Stärken und Schwächen kennen, wesentlich geprägt. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.
Das deutsche Schiedsrichterwesen wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Für den Schiedsrichter- und Regelausschuss des Deutschen Hockey-Bundes e.V.,
Christian Siebrecht