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Sommerturniere 2026

U18-Bundestrainer Paul Koch im Interview: "Wir haben überdurchschnittlich viele Topspieler"

08. July 2026

Die männliche U18 tritt genauso wie die weibliche U18-Nationalmannschaft für das Sommerturnier die Reise ins andalusischen Alcala la Real an. Trainer Paul Koch spricht im Interview über die Herausforderung der Kader-Nominierung, seine Rolle als Bundestrainer und die Ziele für das Sommerturnier.

Was war euer Erfolgsgeheimnis bei dem EM-Sieg letztes Jahr?

Bei der U18-EM waren wir nicht nur hockeytechnisch das beste Team, sondern auch die Mannschaft, die den Titel am meisten wollte. Die Franzosen haben uns schon sehr gefordert, weil sie diesen Titel auch sehr wollten. Am Ende ist es ein Produkt dessen, was über die letzten vier Jahre hinweg entstanden ist. Sei es die Arbeit von den Trainern in den U-Nationalmannschaften, als auch den Vereinstrainern. Es ist auch eine Zusammenfassung aus dem, was oben beim A-Kader gefordert wird.

Es ist klar, dass wir Titel und Turniere gewinnen wollen, aber wir wollen vor allem Topathleten für den A-Kader ausbilden. Wenn beides funktioniert, ist das immer besonders schön. In der Altersgruppe ist uns das sehr gut gelungen. Da werden noch einige interessante Spieler hochkommen oder sind schon in der U21 angekommen. Das eine oder andere Gesicht aus dem EM-Team 2025 werden wir jetzt bei der U21-Europameisterschaft sehen. Der aktuelle U18-Jahrgang ist ebenfalls ein sehr starker Jahrgang, weshalb mir die Nominierung für das Sommerturnier unheimlich schwergefallen ist. Das lässt sich auch daran festmachen, dass in den letzten zwei Wochen vier U18-Spieler schon bei der U21 mit dabei waren. Wir haben wieder eine sehr starke Mannschaft und sind auf einem guten Weg als Mannschaft sehr gut zusammenzuwachsen. Daher stehen die Chancen gut, dass wir diese Erfolge wiederholen können.

Wie schwer war die Nominierung für das Sommerturnier in Spanien?

In dieser Konstellation gibt es zwei Besonderheiten. Wir haben nicht nur ein paar, wenige Topspieler, sondern es sind überdurchschnittlich viele. Außerdem hat die zweite Reihe ein unheimlich hohes Niveau und dadurch haben wir eine sehr gute Breite im Kader. Als wir zusammensaßen und über die Nominierung nachgedacht haben, waren das 28 Spieler, die da infrage gekommen wären, aber wir haben nur 18 Plätze. Man sieht es auch an den Lehrgängen, die wir in diesem Jahr bisher hatten und die wir weitestgehend heterogen besetzt haben. Also Jungs, die jetzt eine späte Entwicklung gemacht haben, jetzt den ersten Fuß in der Nationalmannschaft gesetzt haben, Jungs, die aus dem jüngeren Jahrgang sind, Jungs, die schon letztes Jahr eine EM gespielt haben oder diese letztes Jahr knapp verpasst haben. Wir haben in diesem Jahr egal in welcher Besetzung unfassbar gutes Hockey gespielt und zeitweise unsere Gegner dominiert. Wenn es enger wurde, war es meist eher darauf zurückzuführen, dass wir nicht an unsere Leistung anknüpfen konnten, als dass der Gegner uns was abverlangt hat. Dementsprechend schwer war auch die Nominierung für das Sommerturnier.

Du hast eine Mannschaft mit vielen technisch gut ausgebildeten Spielern. Ist die größte Herausforderung für dich ein System zu finden, in dem alle funktionieren?

Klar, das ist immer eine gewisse Herausforderung in Deutschland, weil wir auch nicht wie andere Nationen wöchentlich, täglich oder zumindest mal über gewisse Perioden regelmäßig trainieren können. Bis auf den Zentrallehrgang im März und den Zentrallehrgang / Zentralsichtung im Oktober haben wir an sich keine Trainingslehrgänge ohne Länderspiele. Dementsprechend haben wir wenig Zeit, uns gewisse Sachen zu erarbeiten. Meine Anforderung an die Jungs ist deswegen, dass wir diese Zeit noch intensiver nutzen als alle anderen Nationen. Unsere Schichten gehen häufig länger. Das heißt, wir quetschen hier und da auch noch mal eine Trainingseinheit rein. Die Jungs sind heiß auf diese Trainingseinheiten, weil es immer richtig gute Trainingseinheiten sind. Sie sind heiß drauf mitzuarbeiten und das fordern wir auch ganz klar von ihnen ein. Sie sollten ihren Input aus den Vereinen und aus den unterschiedlichen Pools miteinbringen.

Wir schauen uns jedes Jahr an, was bieten uns die Jungs an, was bringen sie mit und was passt gut ins Team rein. Das heißt, wir haben die letzten Jahre nicht immer Schablonen auf die Jungs gelegt und gesagt, genau das wollen wir machen, sondern eher Prinzipien definiert und geschaut, was daraus entsteht. Darauf lassen sich die Jungs meistens sehr gut ein und wir waren damit in den letzten Jahren immer erfolgreich. Ich glaube nicht nur im Jugendbereich, sondern auch für die Zeit später im A-Kader ist das ein Erfolgsrezept des DHB und muss immer weiter als Stärke gefördert werden.

Muss ein Spieler in der U18-Nationalmannschaft schon mal im Spieltagskader eines Bundesliga-Teams gestanden haben, um von dir nominiert zu werden? Und wie sehr begleitest du den Prozess eines Spielers in die Bundesliga?

Wir, im Leistungssport des DHB versuchen, die Athleten generell bestmöglich zu begleiten bei ihren Zukunftsentscheidungen. Das ist aber nicht die Rolle des Bundestrainers, sondern da ist der Ansprechpartner Valentin Altenburg als Jugend-Direktor, der diese Prozesse begleitet. Natürlich kommt es auch mal vor, dass die Spieler um einen Rat oder nach einer Meinung fragen. Das passiert zum Beispiel auch in Situationen, wenn sie im eigenen Club nicht die Spielzeit bekommen, die sie sich vorstellen. Gerade die Altersgruppe rund um die U18 ist eine unheimlich aufregende Zeit für die Jungs. Die Schule neigt sich dem Ende zu. Sie machen gegebenenfalls Abitur in der Phase und die reine Jugendzeit, der Safe Space, den sie jahrelang gelebt haben, endet. Jetzt kommen sie in eine Altersgruppe, in der sie nicht mehr die Go to Guys sind, sondern einfach junger Spieler oder Talente. Sie müssen sich gegen teilweise zehn Jahre ältere Leute durchsetzen, gegen gestandene Bundesligaspieler oder auch Olympiasieger. Das macht viel mit einem jungen Spieler. Der Ton wird rauer innerhalb einer Mannschaft, die Anforderungen sind höher, der Druck steigt. Man muss seinen Stil ein bisschen anpassen. Das ist meine Aufgabe diese Veränderungen zu begleiten, den Jungs ein offenes Ohr zu geben und mit ihnen zu reflektieren. Meine Strategie ist mit den Jungs gemeinsam zu reflektieren und sie in ihrem eigenen Entscheidungsprozess zu begleiten.

Was muss ein Spieler mitbringen, um von einem Talent zum gestandenen Bundesligaspieler in deinen Augen zu werden?

Es ist eine Mischung zwischen Hunger, Wille und einem gesunden Maß an Demut und Durchhaltevermögen. Manchmal kommt es plötzlich, dass alles funktioniert und alles für ein paar Wochen toll ist und dann kann ganz schnell etwas auftreten und es läuft nicht wie gedacht. Ziel muss es sein, dass in den zwei Jahren der u18 eine kontinuierliche Steigerung zu sehen ist. Die Jungs müssen aber damit klarkommen, dass es bei dieser kontinuierlichen Steigerung auch Täler geben wird, durch die sie sich kämpfen müssen. Das ist in dem Alter nicht immer so einfach, weil einem manchmal die Weitsicht fehlt. Genau hier versuche ich den Jungs zu helfen.

Wie gehst du das Thema Verantwortung an? Gibt es viele Spieler im Kader, die den Anspruch haben, Kapitäne zu sein? Verteilst du die Verantwortung auf viele Schultern oder auf einzelne?

Wir verteilen die Verantwortung frühzeitig auf mehrere Schultern, um den Jungs frühzeitig beizubringen eigenverantwortlich in Gruppen zu arbeiten. Dazu bilden wir Ebenen. In jeder Ebene haben zwei bis drei Spieler den Hut auf und verantworten diese Ebene. Genauso handhabe ich es mit einer Kapitäns- oder Führungsteamrolle, sodass aus jeder Ebene ein Spieler vertreten ist. Das ist dann eine Achse. Diese Strategie habe ich in der Vergangenheit schon verfolgt. Eine andere Variante ist, dass man aus den vielen unterschiedlichen Grüppchen, die es immer gibt, einzelne Spieler aussucht, damit jede Gruppe bei den Kapitänen vertreten ist. Klar sind viele Jungs, die hier sind, in ihren Vereinsmannschaften Kapitäne. Bei der Nationalmannschaft ein Kapitän zu sein, bedarf auch eine gewisse natürliche Autorität oder Führungsqualität, die nicht nur mit Hockeyfähigkeiten korreliert. Es hat auch was damit zu tun, wie weit ein Spieler in dieser Lebensphase gereift ist. Ich berücksichtige zum Beispiel, wie leicht es ihm fällt in Gespräche mit uns Trainern zu gehen. Der Mannschaftsrat besteht meistens aus drei, vier Spielern. Dieser sitzt auch häufiger auch mit Helen, der Teammanagerin, zusammen, um wichtige Fragen rund um die Mannschaft zu klären.

Mit welchen Ambitionen blickst du auf das Sommerturnier? Wen hältst du für den schwierigsten Gegner?

Wir wollen das Turnier gewinnen. Ich habe noch nie gegen Kanadier gespielt. Das letzte Mal, dass ich sie wirklich wahrgenommen hatte, war bei den Olympischen Spielen in Tokio, als sie sich qualifiziert hatten. Damals waren André Henning und Pasha Gardemann die Trainer dort. Von daher kann ich mir vorstellen, dass man den Spielstil der beiden noch ganz gut erkennen kann. Es ist eine U21 und keine U18 wie wir. Natürlich wird es auch körperlich zugehen. Ich glaube wir haben in der Konstellation eine gute Mischung aus technischer und körperlicher Stärke, sodass wir gut gegenhalten können. Ansonsten ist es einfach die Holländer als Favoriten zu nennen, es ist einfach die Belgier zu nennen. Ich finde gegen England in den ganzen letzten Jahren, war es immer unfassbar unangenehm gegen sie zu spielen. Ich kann mich auch in einem Turnier an keinen einzigen deutlichen Sieg gegen die Engländer erinnern. Ich glaube, dass die Spanier dieses Jahr uns sehr fordern werden und ich erwarte auch die Spanier je nach Platzierung in der anderen Gruppe entweder im Halbfinale oder im Finale als unseren Gegner, wenn wir unsere Gruppenphase überstehen, wovon wir jetzt aber mal positiv gestimmt ausgehen.

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