Osterturniere 2026
wU18-Bundestrainerin Zerbs: "Ich bin gespannt zu sehen, wie die Mädels die Herausforderung annehmen"
02. April 2026
Corinna Zerbs ist Bundestrainerin der weiblichen U18-Nationalmannschaft, die im französischen Douai beim Osterturnier unter anderem auf Irland, Frankreich und Spanien trifft. Im Interview spricht Zerbs über die sportlichen Ziele im Lehrgangsjahr 2026, die positive Entwicklung der weiblichen Jugend in Deutschland und die Hintergründe für ihren Wechsel aus Österreich zum DHB.
Wie hast du als Cheftrainerin der weiblichen U18 die Ziele in einem Jahr ohne kontinentales Turnier generell und für das Osterturnier in Douai speziell formuliert?
Unser großes Ziel ist generell in den U-Nationalmannschaften die Mädels zu entwickeln, weil wir so viele wie möglich auf den Weg Richtung U21 und A-Kader bringen wollen. Für den Lehrgang, der in Köln startet und mit dem Osterturnier in Douai vollendet wird, wollen wir uns vor allem den inhaltlichen Themen Manndeckung, 1 gegen 1, sowohl offensiv als auch defensiv und unseren Strafecken widmen und uns weiterentwickeln. Das Sommerturnier im Juli ist das kontinentale Turnier dieses Jahr. Beim Sommerturnier und auch beim Osterturnier sind gute Teams dabei, da wollen wir natürlich bei beiden Erster werden. Aber wichtig ist die Entwicklung und Ausbildung der jungen Spielerinnen. Dabei versuchen wir jetzt schon Potenziale und Stärken zu identifizieren und ihnen diese mit auf den Weg zu geben, damit wir nach diesem Lehrgangsjahr sagen können, dass sie sich in dem einen oder anderen Punkt verbessert haben.
Ein eindeutig sportliches Ziel, z.B. einen bestimmten Gegner zu schlagen, gibst du aber nicht vor?
Nein, das wollen wir auch zusammen mit den Mädels machen. Der Lehrgang in Köln ist das erste Mal, dass wir dieses Jahr aufeinandertreffen, und da mache ich mir erstmal ein Bild von der Mannschaft. Bei den Lehrgangsmaßnahmen im Juni, bei denen wir auch Länderspiele bestreiten werden, wird es dann eine Zielrichtung für das Sommerturnier geben. Das Ziel der Spielerinnen wird sein, davon gehe ich aus, dass sie das Sommerturnier gewinnen wollen. Dafür werden wir auch alles geben. Ich glaube, die starken Jahrgänge der Niederlande, England und Belgien sind unsere größte Konkurrenz in diesem Jahr, genauso wie Spanien, auf die wir jetzt an Ostern treffen werden, und möglichst erfolgreich sein wollen.
Wie viele Mädels vom letzten Jahr sind ungefähr bei dem Osterturnier dabei?
Es sind einige und das ist auch ein guter Stamm. Mit Annika Schönhoff und Victoria Käske sind aber auch zwei Spielerinnen schon Teil der U21-Nationalmannschaft.
Angesprochen auf die U21-Nationalmannschaft. Wie eng ist die Absprache mit Tobi Jordan (Trainer der wU21-Nationalmannschaft) und wie gut hat diese schon funktioniert , weil er erst kürzlich in der neuen Rolle als U21-Nationaltrainer gestartet ist?
Wir kennen uns schon super lang, dementsprechend tauschen wir uns häufig aus und telefonieren auch regelmäßig, vor allem auch im Zusammenhang mit den Kader-Konstellationen. Wir tauschen uns darüber aus, wie wir die Spielerinnen jeweils sehen und wer auch für die U21-Nationalmannschaft spannend wäre. Diesen Austausch halte ich für enorm wichtig und natürlich findet auch das Gleiche mit der U16 statt. In diesen Gesprächen schauen wir auch, wie können wir jede einzelne Spielerin am besten fördern und tauschen uns über unsere Eindrücke, insbesondere nach einem Lehrgang, aus. Der Austausch mit Vali (Anm. d. Red.: Valentin Altenburg) ist dafür auch sehr wichtig und gut, da er den Bereich leitet. Wir gucken außerdem auch Bundesliga- oder Regionalligaspiele zusammen. Die regelmäßige Kommunikation halte ich für enorm wichtig, um den langfristigen Prozess der Spielerinnen zu begleiten.
In der Bundesliga lässt sich eine positive Entwicklung beobachten, dass vor allem im weiblichen Bereich viele Top-Talente sehr früh auf Spielzeit in den Damen-Teams kommen und auch teilweise schon eine gute Rolle in diesen spielen. Wie beobachtest du diese Entwicklung bzw. siehst du das ähnlich?
Es ist auf jeden Fall bei den Mädels anders als bei den Jungs und die Top-Talente kommen viel früher in den Damen-Bereich und dort auch auf Spielzeit. Natürlich ist es auch abhängig von der Mannschaft, in der sie spielen, aber es ist enorm förderlich, dass die Spielerinnen schon frühzeitig mit der ersten Mannschaft trainieren, weil die Anzahl der Länderspiele, die wir haben, auch ein bisschen überschaubar ist und deshalb dieses regelmäßige Training auf einem guten Niveau enorm wichtig sein kann. Die Bundesliga ist eine der Top-Ligen in Europa, in der du jede Woche herausgefordert wirst. Das lässt sich auch aktuell beobachten, wenn z.B. Düsseldorf und Bremen, die in der Tabelle etwas auseinander liegen, Unentschieden spielen. Es ist alles eng beisammen und der Konkurrenzkampf für die jungen Spielerinnen enorm wichtig. Für den Schritt von der Jugend zu den Damen und dabei gegen körperlich stärkere Mädels, die mehr Erfahrung haben, zu spielen, ist auch sehr förderlich in meinen Augen.
Du bist jetzt von den Jugend-Bundestrainern insgesamt am längsten dabei und auch in der gleichen Position geblieben. Wie hat sich über die letzten drei Jahre deine Arbeit verändert und bist du mittlerweile eine Altersspezialistin geworden?
Das glaube ich nicht. Ich fand den Wechsel zum DHB (Anm. d. Red: vorher beim Österreichischen Hockey-Verband) sehr spannend. Am Anfang habe ich noch eng mit Vali als DANAS-Trainer zusammengearbeitet, jetzt ist der Austausch mit Janneke auch nochmal anders. Wir haben regelmäßig Linientreffen, bei denen wir uns über die weiblichen Nachwuchsmannschaften abstimmen. Der Austausch ist enorm wichtig und macht auch Spaß, weil bei den U-Nationalmannschaften die Entwicklung im Vordergrund steht. Im Bereich des A-Kaders steht die Leistung wiederum mehr im Mittelpunkt. Natürlich wollen wir so viele Medaillen wie möglich gewinnen, aber sich durch den Austausch auch die Brille der anderen Trainer mit deren Erfahrungen aufzusetzen, ist für uns alle gewinnbringend.
Warum hast du diesen Schritt als Trainerin in den Jugendbereich gewählt und was macht dir besonders Spaß an deiner Arbeit?
Die Chance nach Deutschland zurückzugehen und in dieses Umfeld mit den anderen Trainerinnen und Trainern zu kommen, war für mich attraktiv. Mir hat die Arbeit in Österreich mit dem A-Kader auch sehr viel Spaß gemacht, aber es war dennoch immer der gleiche Rhythmus und zum Einen hatte ich Lust auf den Austausch mit den anderen Trainern hier und zum anderen wollte ich mich mit 30 Jahren nicht fertig sein mit meiner Entwicklung. Ich wollte mich weiterbilden und fand die U18 einen sehr spannenden Altersbereich. Ich habe selbst lange gespielt und kann mich in die Lage der Mädels sehr gut reinversetzen. Als das Angebot kam, musste ich nicht lange zögern.
Als aktive Hockeyspielerin bist du mit 145 Länderspielen (66 Tore) Dritte in der Liste der Rekordnationalspielerinnen von Österreich. Wie häufig wirst von der wU18 auf deine Erfolge in der aktiven Karriere angesprochen?
Nicht so häufig, die Mädels denken da gar nicht dran, weil der Fokus ein anderer ist. Dennoch erzähle ich manchmal vor besonderen Ereignissen, wie dem ersten EM-Spiel, von meinen Erlebnissen. Davon können die Spielerinnen profitieren, vor allem beim Thema Nervosität. Da kann ich viele Tipps geben, da ich als Spielerin einfach viel erlebt habe (Anm. d. Red.: Zerbs debütierte mit 15 für die A-Nationalmannschaft von Österreich). Das ist mir auch enorm wichtig, diese Erfahrungen weiterzugeben.
Kommen wir nochmal zum Osterturnier. Wie schätzt du das Niveau von den Gegnern ein und kannst du das schon voraussagen, wer der größte Prüfstein für euch wird?
Spanien ist aufgrund der Spielweise eine Mannschaft, die durch ihre Athletik und 1v1-Skills spannend ist. Die anderen Teams würde ich etwas schwächer einschätzen. Das Spiel gegen Spanien wird aber auch die größte Herausforderung, weil Manndeckung in Deutschland auch nicht so gerne gespielt wird und die Mädels die Herausforderung haben, dagegen zu spielen, gegen eine völlig andere Spielphilosophie. Das deutsche Hockey ist sehr strukturiert und wir wollen sehr kontrollierten aufbauen sowie viel den Ball haben. Spanien sucht die Flucht nach vorne und ich bin gespannt zu sehen, wie die Mädels diese Herausforderung annehmen.