hero image

WM 2026 in Belgien und den Niederlanden

Special Hockey-Verantwortliche Vogt, Laub-Thomas und Köthe im Interview vor dem WM-Start

19. August 2026

Die erste Special Hockey Weltmeisterschaft steht bevor. Für Team Germany ist es ein historischer Moment: Erstmals treffen die besten Special-Hockey-Nationen der Welt aufeinander. Im Vorfeld des Turniers haben wir mit Teammanagerin Anastasia Laub-Thomas, Head Coach Daniel Vogt und Co-Trainerin Anja Köthe über die Bedeutung dieser Premiere, die Vorbereitung des Teams und ihre Erwartungen an die WM gesprochen.

Die erste Special Hockey Weltmeisterschaft steht unmittelbar bevor. Was bedeutet es für euch persönlich und für das Team, Teil dieses historischen Moments zu sein? 

Anastasia Laub-Thomas: 
Für mich ist es eine große Ehre und zugleich eine große Verantwortung, Teil dieses historischen Ereignisses zu sein. Die erste Special Hockey Weltmeisterschaft ist ein Meilenstein für unseren Sport und ein starkes Zeichen dafür, dass Inklusion im Hockey immer mehr Sichtbarkeit und Anerkennung erhält. 

Umso mehr freue ich mich darauf, unsere Athletinnen und Athleten auf diesem besonderen Weg begleiten zu dürfen. Viele haben jahrelang auf diese Chance hingearbeitet. Ich wünsche mir, dass wir diese einmalige Erfahrung gemeinsam genießen, unser Potenzial auf dem Platz zeigen und gleichzeitig vermitteln, wie viel Sport zu einer offenen und inklusiven Gesellschaft beitragen kann. 

Anja Köthe: 
Es ist etwas ganz Besonderes für mich und auch für unser Team, weil es die erste Weltmeisterschaft überhaupt ist. Sonst hört man von Weltmeisterschaften und erlebt die Atmosphäre eher von außen. Jetzt stehen wir selbst dort und sind mittendrin. 

Es ist toll, Teams aus anderen Kontinenten zu treffen und zu sehen, wie sich Special Hockey dort entwickelt hat und gelebt wird. Gegen solche Gegner Erfahrungen zu sammeln, als Team daran zu wachsen und voneinander zu lernen, darauf freuen wir uns sehr. 

Daniel Vogt: 
Für uns persönlich und für das Team ist das ein Riesenschritt. Wir sind alle ein bisschen aufgeregt, sowohl die Spielerinnen und Spieler als auch wir Trainer. Viele der Teams kennen wir noch gar nicht, deshalb wissen wir nicht genau, was auf uns zukommt. Aber die Vorfreude ist auf jeden Fall riesig.  

Ihr habt bereits große Erfolge bei Europameisterschaften gefeiert. Wie wichtig ist die Weltmeisterschaft für die Entwicklung des Sports? 

Daniel Vogt: 
Letztes Jahr war meine erste EM und mein erstes Turnier überhaupt mit diesem Team. Das war natürlich schon etwas Besonderes. Die WM ist jetzt noch einmal eine ganz andere Dimension. Sie ist deutlich größer und bringt noch mehr Aufmerksamkeit. Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, bei einer Weltmeisterschaft zu spielen, bedeutet viel für unseren Sport, für das Team und für die Athleten. Es schafft Reichweite, Sichtbarkeit und Bekanntheit. Deshalb ist das ein wichtiger und richtiger Schritt. 

Die Weltmeisterschaft findet, wie die bisherigen Europameisterschaften auch, parallel zur regulären Hockey-Weltmeisterschaft statt. Warum ist das so etwas Besonderes oder sogar einzigartig im Sport? 

Anastasia Laub-Thomas: 
Dass beide Weltmeisterschaften zeitgleich am selben Ort stattfinden, ist ein starkes Zeichen gelebter Inklusion. Unsere Athletinnen und Athleten sind Teil derselben Hockeyfamilie und erleben dieselbe professionelle Turnieratmosphäre. 

Special Hockey ist dadurch kein Event am Rand, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil des internationalen Hockeysports. Diese gemeinsame Bühne schafft Begegnungen, baut Berührungsängste ab und zeigt, dass Leidenschaft, Teamgeist und Fairness Menschen unabhängig von einer Behinderung verbinden. 

Daniel Vogt: 
Allein das Thema Weltmeisterschaft im Special Sport ist schon besonders. Normalerweise laufen solche Veranstaltungen über Special Olympics und die World Games. Dass wir im Hockey die Möglichkeit haben, über den Regelverband und parallel zu den Damen- und Herrenteams eine Weltmeisterschaft auszutragen, ist einzigartig. Ich hoffe natürlich, dass wir damit Vorreiter sind und das irgendwann auch in anderen Sportarten passiert. Für unsere Athleten ist das großartig. Viele ihrer Idole sind nur wenige Meter entfernt und tatsächlich greifbar. Das ist etwas ganz Besonderes. 

Anja Köthe: 
Es ist ein Vergleich auf Augenhöhe. Unsere Athletinnen und Athleten sehen: Wir gehören genauso dazu. Das macht sie unglaublich stolz. 

Special Hockey wächst national wie international. Wie bewertet ihr diese Entwicklung? 

Anja Köthe: 
Das ist eine sehr positive Entwicklung. Special Hockey wird immer sichtbarer. Hinter diesem Wachstum steckt viel Arbeit in den Vereinen, Verbänden und in der Öffentlichkeitsarbeit. Immer mehr Menschen kommen mit dem Sport in Berührung und lassen sich davon begeistern. 

Daniel Vogt: 
Ich finde die Entwicklung ebenfalls total klasse. Wir werden sehen, wie die Belastung während des Turniers zu bewältigen ist. Zwei Spiele auf diesem Niveau pro Tag sind schon anspruchsvoll und hängen auch von Faktoren wie den Temperaturen ab. Grundsätzlich zeigt die Entwicklung aber, wie positiv sich unser Sport entwickelt. Jetzt gilt es, mit dieser Entwicklung auch gut umzugehen 

Worauf kommt es bei der organisatorischen Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft an? Welche Besonderheiten gibt es im Special Hockey? 

Anastasia Laub-Thomas: 
Eine gute Vorbereitung bedeutet für uns viel mehr als die Organisation einer Reise. Wir planen sehr detailliert und möchten den Athletinnen und Athleten möglichst viel Sicherheit geben. 

Dazu gehören klare Tagesabläufe, verständliche Informationen und eine enge Abstimmung im Betreuerteam. Gerade im Special Hockey schaffen Struktur und Verlässlichkeit Orientierung. Das hilft den Athletinnen und Athleten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das gemeinsame Erlebnis und den Sport. 

Wie habt ihr euch auf die Weltmeisterschaft vorbereitet? 

Daniel Vogt: 
Sehr vielseitig. Wir haben uns als Ziel gesetzt, das Team mehr denn je in den Vordergrund zu stellen und ein Team zu formen, die wirklich zusammengewachsen ist. 

Deshalb haben wir viel Teambuilding gemacht und intensiv mit dem Team gearbeitet, nicht nur am Schläger, sondern auch in der persönlichen Entwicklung. Wir haben gemeinsam Zielvereinbarungen erarbeitet und geschaut, wie die individuellen Ziele der Athletinnen und Athleten zur Entwicklung des Teams passen. 

Gleichzeitig haben wir uns, soweit möglich, auf unsere Gegner vorbereitet, Videos analysiert und unsere Taktik angepasst. Bei Lehrgängen und Stützpunkten wurde viel trainiert und wir standen in engem Austausch mit den Athleten und ihren Vereinstrainern. 

Anja Köthe: 
Wir haben bewusst einige Veränderungen vorgenommen und das Team teilweise neu aufgestellt. Das waren keine einfachen Entscheidungen, aber wir sind überzeugt, dass wir damit den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir schenken dem Team großes Vertrauen und glauben an ihr Potenzial. 

Anastasia Laub-Thomas: 

Wir haben außerdem organisatorische Abläufe weiter verbessert, Zuständigkeiten klar definiert und die Kommunikation mit den Athlet*innen noch gezielter gestaltet.Ein besonderer Schwerpunkt liegt für mich auf der individuellen Betreuung. Jede Athletin und jeder Athlet bringt unterschiedliche Bedürfnisse mit. Deshalb schauen wir genau hin und versuchen, jede Person bestmöglich zu begleiten. 

Wie sieht eure Vorbereitung unmittelbar vor einem Spiel aus? 

Daniel Vogt: 
Wir haben ein bis zwei Rituale, die wir mit dem Team etabliert haben. Sie helfen dabei, sich zu erden und noch einmal als Team zusammenzufinden, gerade in einer neuen und aufregenden Umgebung. 

Vor der WM werden wir vor Ort noch zwei Trainingseinheiten absolvieren, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen. Darüber hinaus hat aber auch jede Athletin und jeder Athlet eigene Rituale, um anzukommen und sich auf ein Spiel vorzubereiten. Da greifen wir bewusst nicht ein. Wir können einen Rahmen bieten, aber jede und jeder hat seinen eigenen Weg gefunden. 

Routinen spielen also eine wichtige Rolle? 

Anja Köthe: 
Ja, absolut. Viele Veränderungen können Verwirrung auslösen und dann fällt es schwer, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Routinen geben Sicherheit. Dadurch können die Athletinnen und Athleten das, was wir ihnen mit auf den Weg geben, deutlich besser umsetzen. 

Spürt ihr vor einem solchen Turnier eine besondere Anspannung und wie helft ihr den Athlet*innen dabei, damit umzugehen? 

Anja Köthe: 
Auf jeden Fall. Die Athletinnen und Athleten sind aufgeregt, nervös und voller Vorfreude. Besonders stolz macht viele das Trikot mit der Telekom auf der Brust. Sie sind stolz, Deutschland vertreten zu dürfen, und wollen ihr Bestes geben. Wir versuchen, sie zu beruhigen und an ihre Stärken zu erinnern. Dazu kommen unsere Rituale vor dem Spiel. Das gibt Sicherheit und Fokus. 

Daniel Vogt: 
Wir haben außerdem mit Dennis Wiedemann einen tollen Kapitän, der seine Mitspielerinnen und Mitspieler sehr gut unterstützen kann. Die Athletinnen und Athleten helfen sich untereinander enorm. Das ist wichtig, denn am Ende stehen nicht wir Trainer auf dem Platz, sondern sie selbst. 

Ihr seid ein dreiköpfiges Trainerteam an der Seitenlinie. Welche Aufgaben übernehmt ihr während eines Spiels? 

Anja Köthe: 
Bei uns hat jede und jeder eine klare Aufgabe. Daniel steht an der Linie und gibt die Anweisungen auf dem Feld. Wolle übernimmt die Wechsel. Ich beobachte das Spiel im Hintergrund und gebe technische oder taktische Hinweise, wenn mir etwas auffällt. So ergänzen wir uns gut und das funktioniert als Team sehr gut. 

Gibt es beim Coaching im Special Hockey Unterschiede zum Regelhockey? 

Daniel Vogt: 
Die Aufgaben sind sehr ähnlich wie im regulären Hockey. Unterschiede gibt es eher in der Ausprägung. Bei der vergangenen Europameisterschaft haben Emotionen auf dem Platz zum Beispiel eine größere Rolle gespielt. Das gibt es natürlich auch im Regelhockey, aber oft in anderer Form. 

Inhaltlich macht es für mich keinen großen Unterschied, ob man Hockey oder Special Hockey coacht. Am Ende geht es darum, das Team taktisch einzustellen, Hinweise zu geben, zu wechseln und die Spielerinnen und Spieler bestmöglich zu unterstützen. 

In der Gruppenphase trefft ihr auf bekannte Gegner, aber auch auf völlig neue Teams. Wie bereitet ihr euch auf diese Gegner vor? 

Anja Köthe: 
Das wird spannend, weil wir nicht genau wissen, mit welchem Kader die Teams anreisen. Wir kennen sie von den vergangenen Turnieren, aber die Teams verändern sich von Jahr zu Jahr. Natürlich analysieren wir vorhandenes Videomaterial und schauen auf Stärken und Schwächen. 

Während des Spiels reagieren wir Spiels auf Dinge, die uns auffallen, und nehmen gegebenenfalls taktische Anpassungen vor. Grundsätzlich wollen wir aber als Team bei uns bleiben und nicht zu viele Veränderungen vornehmen. Sicherheit und klare Abläufe sind für uns wichtig. Wenn wir unser Spiel auf den Platz bringen, können wir jeden Gegner fordern und vielleicht auch für die eine oder andere Überraschung sorgen. 

Daniel Vogt: 
Alle Teams werden sich intensiv auf diese Weltmeisterschaft vorbereitet haben. Deshalb ist es schwer vorherzusagen, wie die Kräfteverhältnisse aussehen. 

Ein möglicher Faktor könnte die neue Regel sein, dass immer zwei Frauen gleichzeitig auf dem Feld stehen müssen. Wir haben sehr starke Spielerinnen im Kader und mit Simone eine hervorragende Torhüterin. Ob uns das tatsächlich einen Vorteil bringt, werden wir sehen. Letztlich bleiben auch die bekannten Teams eine kleine Wundertüte, weil wir uns so selten begegnen. 

Mit welchen Erwartungen reist ihr nach Belgien? 

Anastasia Laub-Thomas: 
Abgesehen von dem sportlichen Erfolg ist uns das gemeinsame Erlebnis besonders wichtig. Eine erste Weltmeisterschaft erlebt man nur einmal. Wir möchten, dass unsere Athletinnen und Athleten diese besondere Atmosphäre genießen, internationale Freundschaften schließen und mit unvergesslichen Erinnerungen nach Hause zurückkehren. 

Daniel Vogt: 
Wir haben bewusst kein konkretes Ergebnisziel formuliert. Unser Fokus liegt auf der Entwicklung des Teams. Die Hälfte unseres Kaders sammelt bei dieser WM ihre ersten internationalen Erfahrungen. Natürlich wollen wir erfolgreich sein und so weit wie möglich kommen. Für uns ist aber entscheidend, wie das Team auftritt, zusammenarbeitet und an den Herausforderungen wächst. 

Was wünscht ihr euch für die Entwicklung des Teams in den kommenden vier Jahren? 

Anastasia Laub-Thomas: 
Ich wünsche mir, dass diese Weltmeisterschaft nachhaltig etwas bewegt und noch mehr Menschen für Special Hockey begeistert. Für unser Team wünsche ich mir, dass wir weiter zusammenwachsen und jede und jeder die Möglichkeit erhält, sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln. Vor allem wünsche ich mir, dass wir unseren besonderen Teamgeist bewahren. Er ist die Grundlage für alles, was wir gemeinsam erreichen wollen. 

Daniel Vogt: 
Vielleicht schaffen wir es ja, uns irgendwann ein Stück weit überflüssig zu machen. Natürlich ist das etwas utopisch, aber unser Ziel ist es, ein Team zu entwickeln, das immer mehr Verantwortung selbst übernimmt und als Team hervorragend funktioniert. 

Anja Köthe: 
Die ersten Schritte haben wir bereits gemacht. Bei der Pro League in Berlin haben die Athletinnen und Athleten ihr Warm-up eigenständig organisiert und das großartig gemacht. 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der ersten Special Hockey Weltmeisterschaft! 

Alle Spiele unserer Danas und Honamas live und kostenfrei

Hauptpartner

Premium-Partner

Partner

Mit Unterstützung durch