Jugendhockey

 

Von Rekordgewinnern und Überraschungen

Beobachtungen von den U16-Länderpokal-Endrunden 2017 in Krefeld

 

03.10.2017 - Als sportliche Beobachter waren die Bundestrainer Akim Bouchouchi für den Hessenschild der Mädchen sowie Benedikt Schmidt-Busse und Valentin Altenburg beim Franz-Schmitz-Pokal der Jungen in Krefeld im Einsatz. Nachstehend ihr Fazit von der Länderpokalendrunde 2017.

 

Bei der Juni-Vorrunde im Hessenschild sah U21-Bundestrainer Akim Bouchouchi die Mädchen des Westdeutschen Hockey-Verbandes noch „klar dominierend“. Doch bei der Endrunde am vorigen Wochenende in Krefeld konnte der gastgebende WHV die vermeintliche Überlegenheit nicht mehr titelbringend umsetzen. Die West-Mädchen wurden im Halbfinale von Hamburg gestoppt, die Norddeutschen holten sich dann mit einem 4:2-Endspielsieg über Bayern (oben ein Bild aus dem Finale; Foto: Kramhöller) auch die Siegertrophäe. Im 63. Hessenschild war es der 24. Sieg für Rekordhalter Hamburg. „Hamburg hat sich von allen über die Saison gesehen am meisten gesteigert und ist am Ende sehr stabil geblieben“, würdigte der offizielle DHB-Beobachter den Turniersieger.
Diese Stabilität vermisste Bouchouchi beim West-Team: „Eigentlich haben sie die nominell stärkste Mannschaft. Doch in den wichtigsten Spielen haben sie es nicht mehr voll auf den Platz gebracht.“ Wohl auch deshalb war der WHV mit dem dritten Platz eher unzufrieden. Ganz anders die Stimmungslage bei Bayern. Als Außenseiter angetreten, drangen die Süddeutschen bis ins Finale vor. „Bayern hatte wohl kaum einer auf der Rechnung“, drückte Akim Bouchouchi die allgemeine Überraschung aus. Zusammen mit Bayern bildete Berlin mit einer sehr jungen Mannschaft „die zwei erfrischenden Teams der Endrunde“ (Bouchouchi).
Für Titelverteidiger Bremen war diesmal schon nach den Gruppenspielen (darunter ein happiges 0:9 gegen West) der Traum vom nächsten Triumph beendet. „Bremen ist nach seinen starken Hessenschild-Jahrgängen der Vorjahre nun im Umbruch und musste diesmal Lehrgeld bezahlen, obwohl das sehr junge Team seine Sache ganz gut gemacht hat“, meinte der Bundestrainer. Den Turnierletzten Baden-Württemberg hatte Bouchouchi von der Vorrunde stärker in Erinnerung: „Da waren sie kompakter. Bei der Endrunde war zu viel Respekt da, und es ist auch ein bisschen unglücklich für sie gelaufen.“
Die Hessenschild-Spiele wären auf „insgesamt ordentlichem Niveau“ abgelaufen, wobei der verregnete Samstag mit seinen Auswirkungen natürlich nicht leistungsförderlich gewesen sei. „Das wären sicherlich richtig coole Spiele geworden, weil alle Teams sehr offensiv eingestellt waren“, so Bouchouchi, der hoffnungsvoll in die nähere Zukunft blickt: „Da kommen mit den Jahrgängen 2002 und 2003 spannende Jahrgänge auf uns zu, die in Spitze und Breite viele Talente versprechen.“
Der Bundestrainer lobte auch das „ordentliche Niveau“ der eingesetzten Schiedsrichter/innen, die nur „ganz wenige strittige Entscheidungen“ getroffen hätten und durch ein „gutes Miteinander“ mit Teams und Trainern überzeugten. Angetan war Akim Bouchouchi auch von der „top Organisation“ des Crefelder HTC, der für eine „sehr runde, gelungene Veranstaltung“ gesorgt habe.

Berliner Defensivkünstler ohne Gegentor ins Finale 

Mit einem Heimsieg des Westdeutschen Hockey-Verbandes endete der 65. Franz-Schmitz-Pokal in Krefeld. Die WHV-Jungen schlugen im Endspiel Berlin mit 2:1 und holten für ihren Landesverband schon zum 36. Mal den Pokal. „Im Gesamtpaket war der WHV einfach am stärksten. Die Mannschaft hatte den klarsten Plan und die beste Struktur und war letztlich auch in der Umsetzung am konsequentesten von allen“, lobte U16-Bundestrainer Benedikt Schmidt-Busse, der zusammen mit U21-Bundestrainer Valentin Altenburg die sportliche Beobachtung des männlichen Länderpokalwettbewerbs vornahm.
Kam der Erfolg des West-Teams, das bereits die Vorrunde dominiert hatte, für die wenigsten Experten als Überraschung daher, so war die Endspielqualifikation von Berlin schon eine solche. „Mit nur einem einzigen geschossenen Tor in drei Spielen muss man das erst einmal hinkriegen. Aber es zeigt, dass die Qualitäten Berlins woanders lagen“, sprach Schmidt-Busse die beeindruckende Defensive der Hauptstädter an, die ohne Gegentor ins Endspiel einzogen. Vor allem Torwart Benedix Denkmann (in der Endspielszene oben; Foto: Kramhöller) ragte im Berliner Abwehrzentrum heraus. „Er ist Jahrgang 2003, kann also noch zwei jahre FS-Pokal spielen“, staunte Schmidt-Busse, wie weit der jüngste der bei der Endrunde auflaufenden Torhüter schon ist.
Es reichte jedenfalls, um im Halbfinale die spielerisch eigentlich leicht überlegenen Hamburger zu eliminieren. Weder im Spiel noch im Penaltyschießen ließ sich Denkmann überwinden. Der Vorjahressieger aus dem Norden habe „gutes Aufbauspiel“, aber „Schwächen im Abschluss gezeigt“, so der Beobachter.
Die am späteren Sieger WHV gescheiterten Baden-Württemberger sah Schmidt-Busse im Halbfinale “etwas overpaced“. Der verletzte Mario Schachner fehlte dem HBW-Team, die Mannschaft habe es zwar trotzdem „ordentlich gemacht“, doch mehr als Rang vier war einfach nicht drin. Von den beiden Gruppenletzten habe sich Bayern (Schmidt-Busse: „Interessanter Spielaufbau; letztlich fehlte etwas Erfahrung und Breite, um noch mehr erreichen zu können“) deutlich näher am Halbfinalniveau bewegt als Rheinland-Pfalz/Saar („Da war viel Herzblut dabei, aber letztlich hat einfach Qualität gefehlt“).
Dass der Wettbewerb am Samstag unter wenig erbaulichen äußeren Verhältnissen litt, wollte Benedikt Schmidt-Busse nicht unter den Tisch kehren. „Der zweite Platz auf der CHTC-Anlage befindet sich leider in einem Zustand, dass bei viel Regenwasser dort kein normales Hockeyspiel mehr möglich ist. Die Verlegung der dort geplanten Spiele war absolut richtig, es wäre ein unfassbares Verletzungsrisiko gewesen. Aber ohne den zweiten Platz wurde der Samstag dann für alle ein zu langer Spieltag, darunter hat auch das Hockeyniveau gelitten.“ Einen Vorwurf an den Ausrichter wollte der Bundestrainer aber nicht machen. „Der CHTC hat eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt.“
Lob verteilte Schmidt-Busse auch an die Schiedsrichter: „Die waren in ihren Leistungen am Samstag besser als die Spieler.“ Gefallen hat dem Beobachter einmal mehr, wie professionell die Nachwuchsunparteiischen von einem gut besetzten Betreuerstab gecoacht wurden. „Die Art, wie dort gearbeitet wird, ist einfach gut. Es herrschte auch ein gutes Klima zwischen Schiedsrichtern und Mannschaften, Trainern und Offiziellen.“

Auch der Jugend-Schiedsrichterausschuss zufrieden

„Die Schiedsrichter haben ansprechende Leistungen gezeigt. Wie in den letzten Jahren auch war die Endrunde geprägt vom sehr guten und vorbildlichen Miteinander zwischen Trainer, Spieler und Schiedsrichter“, zog Hans-Werner Sartory für den Jugend-SRA ein Fazit.

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